Zen­tral­or­gane gegen Die Linke

verzerrtes Spiegel-Bild

Da sind sie sich einig

Die Me­di­en­land­schaft tri­um­phiert. Kaum hat Oskar La­fon­taine aus ge­sund­heit­li­chen Gründen seinen Rückzug von der Bun­des­po­litik an­ge­kün­digt, froh­lo­cken die Zen­tral­or­gane Bild und Spiegel im Chor vom Ende der Linkspartei.

Bisher be­stand die me­diale Kam­pagne gegen die Linke aus zwei Fa­cetten. Ei­ner­seits aus dem fort­wäh­renden Ver­such die Partei zu dä­mo­ni­sieren. Schlag­wörter wie „Po­pu­lismus“, „SED-Nachfolgepartei“ oder „Stasi“ wurden dabei ebenso in­fla­tionär ge­braucht, wie Be­richte über die Rea­li­täts­ver­wei­gerer, die gar nicht mit­re­gieren, son­dern nur ra­di­kale Pa­rolen ab­son­dern wollen. Da diese Stra­tegie an­ge­sichts der Wahl­er­folge der Linken als wenig ef­fektiv er­scheint wurde an­de­rer­seits zu­letzt ver­mehrt ver­sucht die Partei zu spalten, in die guten Realos aus dem Osten („Prag­ma­tiker“) und die ra­di­kalen Fundis („Spinner“) aus dem Westen. Al­brecht Müller hat kürz­lich diese Stra­tegie in einer Ko­lumne für die Nach­denk­seiten treff­lich ana­ly­siert. Darin ar­gu­men­tiert er, es gehe darum die Linke in­halt­lich zu schleifen, damit die neo­li­be­rale Aus­prä­gung von SPD und Grünen nicht zu stark unter Druck ge­rate. Um dieses Motiv zu er­rei­chen, wird sich auch nicht er­blödet, Phan­ta­sie­ge­schichten so lange auf­zu­ti­schen, bis sie von ge­nü­gend Le­sern ge­glaubt werden. Zum Bei­spiel: Klaus Ernst, der lang­jäh­rige IG-Metall-Funktionär und noch 1998 im SPD-Wahlkampf aktiv, sei, weil aus einem west­li­chen Lan­des­ver­band, ein Radikaler.

Da viele der Kern­for­de­rungen der Partei von einer Mehr­heit der Deut­schen un­ter­stützt werden (so­for­tiger Abzug der Truppen aus Af­gha­nistan, Weg mit Hartz IV, keine Pri­va­ti­sie­rungen), be­steht die Ge­fahr, dass Die Linke einen wei­terhin stei­genden Ein­fluss er­langt. Dieses gilt es me­dial zu ver­hin­dern. Doch nach dem Ab­gang La­fon­taines wit­tern die me­dialen Gegner nun sogar die ganz große Chance. Jetzt wird offen vom Ende der Partei ge­träumt. So schreibt Spiegel On­line: „Eine Fu­sion von Links­partei und So­zi­al­de­mo­kratie ist nun mög­lich — unter Ga­briels Füh­rung.“ Für die Links­partei kennt Autor Ro­land Nelles das Schicksal genau: „Im besten Fall wird sie zum An­hängsel der SPD, im schlech­testen Fall geht sie — zu­min­dest im Westen — ganz unter.“

Der schlech­teste Fall, für Bild und Spiegel, wohl eher der Ide­al­fall wird nun mit Nach­druck un­ter­stützt. Das Me­dium mit den klei­neren Buch­staben, aber auch nicht mehr In­halt, be­ginnt so­gleich nach der No­mi­nie­rung der neuen Dop­pel­spitze, be­ste­hend aus Ge­sine Lötzsch und Klaus Ernst, mit deren De­mon­tage. Mit Ernst ver­bindet Spiegel On­line die Be­griffe „Macho“ und in­tel­lek­tu­elles Leicht­ge­wicht, Lötzsch wird da­gegen auf­grund ihrer Lich­ten­berger Her­kunft in die Stasi-Ecke ge­stellt. Das ver­steht der Spiegel also unter kri­ti­schem Jour­na­lismus. Nicht aus­zu­denken, wie CDU/CSU rea­gieren würden, wenn mit der­ar­tiger Häme und Härte ihr Per­sonal aus­ein­ander ge­nommen oder auch nur sach­lich über die po­li­ti­schen Hin­ter­gründe von Po­li­ti­kern wie Karl-Theodor zu Gut­ten­berg oder Kris­tina Köhler be­richtet werden würde.

Die Bild fragt in ge­wohnter Ma­nier: „Können diese beiden die Linke retten?“ Die Cha­rak­te­ri­sie­rung von Lötzsch und Ernst als „Ex-Kommunistin“ und „pfun­diger Fundi“ dürfte die Frage für Bild hin­rei­chend be­ant­worten.

Doch auch wenn es den selbst­er­nannten Leit­me­dien nicht ge­lingt, zu einem voll­stän­digen Schei­tern der Partei bei­zu­tragen, bleibt immer noch die Al­ter­na­tive der an­ge­passten Linken. Eine zweite SPD wäre eben­falls ein Er­folg, den sie sich mit auf die Fahnen schreiben dürften und der dazu bei­tragen würde, die herr­schenden Ver­hält­nisse auf Dauer zu sichern.

Eine in­halt­liche Aus­ein­an­der­set­zung, wie es die Auf­gabe kri­ti­scher Me­dien wäre, findet nicht statt. Es sei denn beim Spiegel denkt man ernst­haft, dass ein ein­falls­loses Video über an­geb­liche und reale Stasi-Verwicklungen ei­niger Linke-Politiker gar­niert mit Gysis Zitat „Es ist jetzt bei uns ein Klima der De­nun­zia­tion ent­standen. Ich finde dieses Klima un­er­träg­lich“ als solche zu be­zeichnen wäre.

Tat­säch­lich würde die Be­schäf­ti­gung mit In­halten der Linken unter Um­ständen sogar nutzen, weil dann viel­leicht mehr Men­schen er­kennen würden, dass diese Partei als ein­zige For­de­rungen ver­tritt, die ihren ei­genen Stand­punkten ent­spre­chen. Jene 5,1 Mil­lionen Wähler, die bei der Bun­des­tags­wahl 2009 für die Linke vo­tierten, haben die Partei nicht (nur) ge­wählt, weil ihnen Oskar La­fon­taine so sym­pa­thisch war, son­dern weil sie mit großen Teilen der in­halt­li­chen Aus­rich­tung übe­rein­stimmen. Diese Er­kenntnis passt je­doch nicht in die Stra­tegie der Zen­tral­or­gane. Viel besser ge­fällt ihnen die Vor­stel­lung, die Partei zer­breche, weil ein, in der Tat po­li­ti­sches Schwer­ge­wicht, nun er­setzt werden muss. Dafür kämpfen sie mit aller Macht, die ihnen zur Ver­fü­gung steht. Und die ist nicht gering.

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Eine Antwort auf Zen­tral­or­gane gegen Die Linke

  1. Joeseph sagt:

    Lustig, wie ihr euch bei den »Linken« ein­schleimmt .. seid ihr ei­gent­lich schon alle Mitglied ?

      (Zi­tieren)

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