Nachdem am vergangenen Samstag zehntausende Menschen in Berlin auf die Straßen gingen, um im Rahmen eines internationalen Aktionstages gegen staatliche und privatwirtschaftliche Überwachungsmaßnahmen sowie gegen weitere Repressionsmaßnahmen und den Abbau von Grund– und Freiheitsrechten zu demonstrieren, kam es im Anschluss an die Demonstration zu brutalen Polizeiübergriffen.
Besonders brisant ist ein Video , das auf Youtube hochgeladen, dort aber sehr frühzeitig aus nicht näher angegebenen Gründen einer Altersbeschränkung von 18 Jahren unterworfen wurde und eine vorherige Registrierung bei Youtube abverlangt. Angesichts unzähliger anderer Videos, die bereits von Polizeigewalt zeugen (wie zum Beispiel hier, hier oder hier leider nicht mehr), ist diese Zensur besonders fragwürdig. Da sich jedoch die Blogs und Foren im Internet förmlich überschlagen, was die Berichterstattung und Auswertung dieses Polizeiangriffs betrifft, wurde das betreffende Video inzwischen von einer Vielzahl von (offenbar 18-jährigen) Youtube-Nutzern herunter– und wieder neu hochgeladen, damit die Zensur nicht mehr hinterherkommt. Auch der Chaos Computer Club (CCC) hat das Video zum Zwecke einer Strafanzeige archiviert. Eine dieser Vervielfältigungen, die dankenswerter Weise eine Wackelkorrektur der Handkamera vorgenommen hat, könnt ihr hier sehen:
Der Vorfall wird heftig diskutiert, die genaue Vorgeschichte ist jedoch schwer zu rekonstruieren. Laut Spiegel ist das Video von einem Blogger namens Felix von Leitner in einen Blogeintrag eingebunden worden. Seither sei es zum »Politikum« geworden und wird ein juristisches Nachspiel haben. Das Aktionsbündnis Freiheit statt Angst hat auf seiner Website einen kurzen Bericht zu den Vorfällen sowie die Strafanzeige gegen die Beamten veröffentlicht.
Ein zweites Video zeigt, wie es dazu kam, dass der »Herr in dem blauen T-Shirt« sich die Dienstnummer eines Polizisten hat geben lassen.
Im Forum von »CopZone«, einer Internetpräsenz, die sich als »private Polizeiseite« bezeichnet, ist zudem der Eintrag eines CCC-Mitglieds zu finden, das als Augenzeuge die Vorgeschichte der Geschehnisse aus seiner sowie nach Berichten anderer Zeugen vor Ort schildert. Laut diesen Aussagen lügt die Polizei in ihrer am Sonntag herausgegebenen Pressemitteilung im Bezug auf die Faktenlage. Zwar kündigt die Polizei darin ein »mit Vorrang« geführtes Strafverfahren gegen die betreffende Einsatzhundertschaft an, behauptet aber zugleich, der zusammengeschlagene Mann, der sich vorher zum Zwecke einer Anzeige dessen Dienstnummer notieren wollte, hätte »gestört« und sich auch nach Aufforderung dem Platzverweis nicht gefügt, was beide Videos klar widerlegen. Denn beide Videos zeigen, dass der Mann sich jeweils von den Beamten weg bewegte. Umgekehrt wird aber ein Schuh draus, weil der Radfahrer — wie zu sehen — von den Beamten letztlich darin gehindert, der Aufforderung, sich zu entfernen, nachzukommen und daraufhin zusammengeschlagen wird. Auch umstehende Zeugen erleiden Verletzungen durch Poilizeiprügel.
Angesichts der Geschehnisse können wir Passivistinnen und Passivisten nur unseren dringenden Rat bekräftigen, unter keinen Umständen die eigene Meinung öffentlich auszusprechen oder gar sich gegen staatliche und/oder privatwirtschaftliche Überwachung, Zensur, Ausbeutung, Gewalt, Unterdrückung, Umweltzerstörung, Konsumdruck und andere gutgemeinte Maßnahmen zur Wehr zu setzen.
Denk einfach an was anderes. Bleib passiv.


Nachtrag:
Die »Jungen Piraten«, die Jugendorganisat ion der Deutschen Piratenpartei, rufen aus gegebenem — aber nicht NUR aus diesem Anlass — am heutigen Montag um 18.00 Uhr zu einer Mahnwache gegen Polizeigewalt direkt beim Sitz des Polizeipräsidenten am Platz der Luftbrücke (U6) auf.
Wir Passivistinnen und Passivisten finden solche Aktivitäten selbstverständlich völlig falsch. Wir haben diesen Aufruf natürlich nur der Vollständigkeit halber hier erwähnt.
Passinistrator(Zitieren)
Passivbleiben, nur keine Aggression, das provoziert sogar die Presse:
http://www.ipernity.com/doc/fritzberlin
FritzBerlin(Zitieren)
Nachtrag 2:
Wie hätte es anders sein können:
Der exzellente Blog »annalist«, in dem die Freundin des wegen Terrorverdachts ungerechtfertig t festgenommenen Wissenschaftler s Andrej Holm unter anderem die staatlichen Überwachungsmaßnahmen gegen ihre Familie dokumentiert, hat den Vorfall aus einer wichtigen Perspektive aufbereitet.
Lesenswert: http://annalist.noblogs.org/post/2009/09/13/die-polizei-und –die-freiheit
Passinistrator(Zitieren)
Moin. Mit dem Link zum Blog von Anne Roth stimmt was nicht. Hier nochmal die URL: http://annalist.noblogs.org/post/2009/09/13/die-polizei-und-die-freiheit Ich glaube, da werden automatisch Leerzeichen gesetzt.
So. Also diese verdammte Berliner Drecks-Prügelhorde, diese dummgesichtigen Schlägertypen haben sich auch am anderen Ort an diesem Tag ausgetobt. Genauso skandalös ist der Vorfall hier: http://bak-shalom.de/index.php/2009/09/13/antiisraelischer-aufmarsch-zum-al-quds-tag-in-berlin-polizei-untergrabt-zivilgesellschaftliches-engagement-gegen-antisemitismus/ Da muss endlich was geschehen. Auch im Fall des Übergriffs auf der Datenschutzdemo, ein Fall unter hunderten, wo nur zufällig eine Kamera anwesend war und die zufällig auch alles erfasste, wird es keine Folgen haben. Es wird wieder koordinierte Falschaussagen geben. Schon die Aussage eines Uniformträgers, dass der Mann im blauen Shirt eine Maßnahme behindert hätte, was man durch pure Anwesenheit auf so einer Demo immer irgendwie tut, wird zum Freispruch reichen. Zum Kotzen.
J.(Zitieren)
Nachtrag 3:
Ein nunmehr drittes Video ist aufgetaucht. Es zeigt deutlicher die Festnahme des blaubekleideten Fahrradfahrers sowie die staatlichen Fausthiebe gegen unbeteiligte Dritte.
http://www.youtube.com/watch?v=W9XBe5Kr0aQ
Passinistrator(Zitieren)