Rie­sen­stim­mung bei FDP-Wahlparty

Die FDP ist raus — Po­litik in Berlin können künftig an­dere ma­chen. Auf der Wahl­party wird den­noch ge­feiert. Als kurz nach 18 Uhr der Balken auf phä­no­me­nale zwei Pro­zent schnellt, schallt lauter Jubel durch die Bun­des­par­tei­zen­trale, Kon­fetti fliegt, Tröten pusten die Be­geis­te­rung in den Raum. Ein Dut­zend Ak­ti­visten hat der Partei, die ar­ro­gant ge­gen­über jenen auf­tritt, die am Rand der Ge­sell­schaft stehen, ge­zeigt, wie sich man­gelndes Ein­füh­lungs­ver­mögen an­fühlt. Doch der Groß­teil der li­be­ralen Par­tei­kader rea­giert sou­verän, denn es kann ihnen egal sein: Ohne die läs­tigen Par­la­ments­de­batten können sie sich alle wieder ganz auf den per­sön­li­chen wirt­schaft­li­chen Er­folg konzentrieren.

Die B.Z. weiß zu be­richten: »Die Wahl­party der FDP ist pünkt­lich zur ersten of­fi­zi­ellen Zwei-Prozent-Hochrechnung ge­crasht worden. Mit „End­lich ist es aus!“-Sprechchören, Party-Tröten und lautem Tätärätä bohrte eine kleine Gruppe, die sich mir da­nach als „Form von Kommunikations-Guerilla“ vor­stellte und er­klärte, „wir sind gegen den ganzen neo­li­be­ralen Scheiß!“, ihren scha­den­frohen Mit­tel­finger in die fri­sche gelb-blaue Wahlwunde.«

Für den Seite 3-Artikel der Ber­liner Zei­tung am Dienstag nach der Wahl ist die Ak­tion der Auf­hänger: »Hun­derte bunte Schnipsel be­de­cken das Par­kett des Thomas-Dehler-Hauses. Re­likte der kleinen Konfetti-Parade, die An­hänger einer selbst er­nannten »Kom­mu­ni­ka­ti­ons­gue­rilla« in der Par­tei­zen­trale der FDP hin­ter­lassen haben. »End­lich raus« hatten sie skan­diert und mit Tröten ge­lärmt, als die Pro­gnosen der Fern­seh­sender am Sonn­tag­abend das ganze De­bakel der FDP of­fen­barten, die ei­gent­lich jetzt NmzP heißen müsste — Nicht mal zwei Pro­zent.
Ein Spit­zen­li­be­raler scharrt mit dem Fuß über den Boden, als wolle er die Schnipsel weg­wi­schen und damit diese Nie­der­lage ver­gessen ma­chen, die schmerzt wie kein an­deres Er­gebnis in diesem Super-Qual-Jahr der FDP: 1,8 Pro­zent. Auf einer Ebene mit der Tier­schutz­partei und an­deren Exoten, die in Hoch­rech­nungen unter Sons­tige laufen. »Man will uns ka­putt ma­chen«, sagt der Frei­de­mo­krat. Wer? »Alle. Die Me­dien, die Kanz­lerin und vor allen Dingen Wolf­gang Schäuble.« Keinen Er­folg gönne An­gela Merkel dem klei­neren Ko­ali­ti­ons­partner. Und Wolf­gang Schäuble sei vom Hass zer­fressen, der könne die FDP gar nicht mehr er­tragen. Wieder scharrt der Fuß durch das Kon­fetti. »Es ist die gleiche Denke wie bei den U-Bahn-Schlägern«, ent­fährt es der li­be­ralen Spit­zen­kraft. »Weiter treten, selbst wenn man am Boden liegt.«

Ju­bel­bilder gibts auch beim ZDF

und beim MDR ab 1:35

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10 Antworten auf Rie­sen­stim­mung bei FDP-Wahlparty

  1. Raphael H. sagt:

    Ich pack mich weg!!! *ROFL*

    »[…] der Partei, die ar­ro­gant ge­gen­über jenen auf­tritt, die am Rand der Ge­sell­schaft stehen, ge­zeigt, wie sich man­gelndes Ein­füh­lungs­ver­mögen anfühlt«

    Kor­rekt!

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  2. Peter sagt:

    End­lich mal wieder ein wirk­li­cher Grund zum Ju­beln in diesen harten Zeiten! :-)

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  3. Pingback: Presseberichte und Fotos vom Aktionstag « Berlin von unten! Aktionstag 18. September

  4. Tim sagt:

    Ir­gendwie war das ja klar: Keiner schafft es besser die FDP ins un­be­deut­same zu ka­ta­pul­tieren, als die FDP selber. Ei­gent­lich kann man Rösler und Guido nur gra­tu­lieren – weiter so! Ein wenig schade finde ich, dass die Grünen dann doch nicht so weit ge­kommen sind, wie sie wollten. Si­cher­lich trägt auch Frau Kü­nast Schuld daran. Die neue Partei der Frei­heit sind nun wohl die Piraten.

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  5. Bella sagt:

    Ui, war ja rich­tige Ran­dale! Solche Chaoten! ;)

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  6. Pingback: Konsumpf » Lesetipps: Berlin-Wahl-Nachklapp | #occupywallstreet | Sklaverei

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  8. Bella sagt:

    »Gleiche Denke wie bei den U-Bahn-Schlägern«??? Der hat ja ne Meise! Daß die Po­li­tiker sich immer so per­sön­lich an­ge­griffen fühlen, wenn je­mand eine an­dere Mei­nung hat.…

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    • Die ganze zi­tierte Aus­sage ist ja die reinste Ver­schwö­rungs­theoire. Da kommt je­mand mit der Nie­der­lage ein­fach nicht zu recht. An­sonsten bleibt nur zu sagen: Die FDP hat das Pronzip der Mit­leids­lo­sig­keit, die keine Rück­sicht auf am Boden Lie­gende nimmt, ge­ra­dezu er­funden, also muss sie sich jetzt nicht beschweren.

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  9. J.W. sagt:

    Ich dachte, dass das DIE PARTEI ge­wesen wäre. Auf jeden Fall haben die auch ihre Wahl­party ins Thomas-Dehler-Haus ver­legt (übri­gens auf Sumpf ge­baut). Merkel re­giert jetzt mit den Sonstigen.

    Spam, Wer­bung, Trallalla zum Wahl­aus­gang bez. der Linken: http://emali.blogsport.de/2011/09/19/mit-brennender-sorge-noch-kann-alles-gut-werden/

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