S wie Smartmob

Smartmob-IconMan be­findet sich mitten in der Stadt, z.B. auf dem Markt­platz, und plötz­lich be­ginnen ei­nige  Men­schen sich merk­würdig zu ver­halten: Sie singen, ma­chen Krach, stürmen alle auf einmal in einen Laden, fangen an zu tanzen oder Theater zu spielen. „Flashmobs“ nennen sich diese kon­zer­tierten, scheinbar spon­tanen Blitz­ak­tionen, die sich hin­terher ebenso plötz­lich wieder auf­lösen wie sie be­gannen. Seit ei­nigen Jahren haben sich Flashmobs welt­weit ver­breitet: Man trifft sich zur Kis­sen­schlacht im Park oder zum Freeze auf dem Bahnhof (wei­tere Bei­spiele mit Vi­deos und Über­sichts­seite zu Flashmobs welt­weit). Die Teil­neh­menden haben sich vorher noch nie ge­troffen, son­dern sind nur durch das In­ternet oder durch Freunde auf dieses Er­eignis auf­merksam ge­worden. Ent­gegen den meisten Ak­ti­ons­formen im öffent­li­chen Raum ver­folgen Flashmobs in aller Regel keinen Zweck. Es geht le­dig­lich um den Spaß an Spon­ta­neität, um das Ver­gnügen des Ver­wir­rens und das In­ter­esse an der In­ter­ven­tion im Alltag. Da es stets Auf­merk­sam­keit er­regt und kreativ ist, lässt sich diese Ak­ti­ons­form aber auch her­vor­ra­gend für Pro­teste nutzen. Das ist der Sinn der „Smartmobs“.

In Groß­bri­tan­nien hat seit ei­nigen Mo­naten bei­spiels­weise die Gruppe UK Uncut sehr er­folg­reich solche Smart­mobs or­ga­ni­siert, um gegen mil­li­ar­den­schwere Steu­er­ge­schenke an Un­ter­nehmen bei gleich­zei­tigen So­zi­al­kür­zungen zu pro­tes­tieren. Smart­mobs be­nö­tigen nur eine ver­gleichs­weise ge­ringe An­zahl von Teil­neh­menden und können dabei ge­nauso me­di­en­wirksam sein wie große De­mons­tra­tionen. Der Vor­teil ist dabei ist, dass sie sich viel ein­fa­cher or­ga­ni­sieren lassen.

How to…

Als erstes gilt es, sich zu über­legen, gegen wen oder was sich der Pro­test ei­gent­lich richten soll. Welche Ge­bäude oder Plätze sind die Orte des Ge­sche­hens? Und wo er­regt man am meisten Auf­merk­sam­keit? Dann muss man eine ge­eig­nete Ak­ti­vität finden. Als Smart­mobs eignen sich zum Bei­spiel die im Bleib-passiv-Aktionslexikon schon vor­ge­stellten Ak­tionen: Bank­über­fall, Bullshit-Bingo oder De­mo­bus­ting. Am besten trans­por­tiert man die po­li­ti­sche Aus­sage, indem man Par­al­lelen zieht: UK Uncut, zum Bei­spiel, pro­tes­tierte in Fi­lialen von Firmen, die ge­rade mit der bri­ti­schen Re­gie­rung eine Ver­ab­re­dung ge­troffen hatten, die ihnen Steuern er­ließ, wäh­rend im Bil­dungs­be­reich oder bei der Ge­sund­heits­ver­sor­gung ge­stri­chen wurde. So gingen sie in eine Fi­liale und hielten dort ein Teach-In, eine öffent­liche Vor­le­sung, oder be­han­delten Kranke. Um Auf­merk­sam­keit zu er­rei­chen, sollte man sich gut über­legen, wer die Prot­ago­nisten sind und wie man ein­fach an sie her­an­kommt. In Re­gie­rungs­ge­bäude kommt man in der Regel nicht so leicht mit vielen Men­schen. Da bietet sich ein Ort in der Öffent­lich­keit besser an, wie zum Bei­spiel eine Bank oder ein Geschäft.

Über das In­ternet mit seinen Foren und vor allem den so­zialen Netz­werken kann man viele Men­schen er­rei­chen, die sich an einem sol­chen Smartmob be­tei­ligen würden. Dort kann man ge­meinsam be­raten, welche Ak­tion man genau ma­chen möchte, wer welche Ma­te­ria­lien mit­bringt, ob man sich be­stimmte Klei­dung an­zieht etc. Kurz vor dem Termin wird dann per SMS der ge­naue Ort be­kannt ge­geben; und schwups sitzen ein paar Men­schen, 15 oder 20 rei­chen schon, in einer Bank auf dem Boden, einer springt auf und hält eine „Vor­le­sung“. Wenn man möchte, kann man auch kurz vorher der Presse Ort und Zeit der Ak­tion bekanntgeben.

Die größte Platt­form zur An­kün­di­gung eines ge­planten Smart­mobs und der Suche nach Mit­strei­te­rInnen oder um von einem er­folg­rei­chen Smart– bzw. Flashmob zu be­richten ist: flash-mob.de

 

Eine Step-by-Step-Anleitung als Video

 

Bei­spiele für Smartmobs

In einem Hotel ruft ein Smartmob für die Un­ter­stüt­zung der strei­kenden Ho­tel­mit­ar­beiter auf, die einen Ta­rif­ver­trag und bes­sere Gseund­heits­ver­sor­gung for­dern, indem ein Song von Lady Gaga um­ge­textet wurde – in­klu­sive Choreographie.

Video: »Don’t get caught in a bad hotel« (auch bei un­seren Fund­stü­cken)

 

Zur Ver­hin­de­rung der Bahn­pri­va­ti­sie­rung kam es zu einer Reihe von Smart­mobs in deut­schen Bahn­höfen. Pünkt­lich fünf vor Zwölf be­gannen die Teil­nehmer Lärm zu ma­chen (pfeifen, trom­meln etc.) und dabei Zettel in mit der Auf­schrift 183 = 13 in die Luft zu halten. 12.57 Uhr zer­knüllten sie die Zettel, warfen sie in Müll­eimer und ver­schwanden als wäre nichts ge­schehen. Die Aus­sage da­hinter: Der Wert der Bahn be­trägt ge­schätzte 183 Mil­li­arden Euro, wäh­rend die Bun­des­re­gie­rung im Zuge der Pri­va­ti­sie­rung aber le­dig­lich 13 Mil­li­arden Euro ein­nehmen wollte.

Im Bun­des­tags­wahl­kampf 2009 kam es vor allem bei Ver­an­stal­tungen der CDU zu Jubel-Flashmobs/Smartmobs unter dem Motto „Und alle so YEAH!“) Die flos­kel­haften Reden wurden durch über­trie­benes Be­ju­beln der Sprach­blasen gestört.

 

 

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Aktionen, Aktionslexikon und verschlagwortet unter , , . Link bookmarken.

Eine Antwort auf S wie Smartmob

  1. Pingback: F wie Flashmob | Bleib passiv.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*
To prove you're a person (not a spam script), type the security word shown in the picture. Click on the picture to hear an audio file of the word.
Anti-spam image

Seite 1 von 11