P wie Pressearbeit

Um ein­zelnen Ak­tionen einen grö­ßeren Wir­kungs­ra­dius zu geben, ist es emp­feh­lens­wert, sie der Öffent­lich­keit über die Presse be­kannt zu ma­chen. Dafür haben wir hier ei­nige An­re­gungen und Hin­weise zu­sam­men­ge­stellt. Je nach Ak­tion bieten sich dafür ver­schie­dene Schwer­punkte an; auch muss man sich ent­scheiden, wie viel Ar­beits­kraft man in­ves­tieren kann (allen Tipps nach­zu­gehen, wäre viel Ar­beit sowie in wel­chem Stil und be­son­ders über welche Me­dien man an die Öffent­lich­keit treten möchte.

Down­loads:

Merk­blatt zur Pres­se­ar­beit (PDF)

Blan­ko­vor­lage Pres­se­mit­tei­lung (Word-Dokument)

Die Nach­richt

Um eine Nach­richt, wie etwa die An­kün­di­gung einer Ak­tion, in den Me­dien zu plat­zieren, sollte sie vier Merk­male auf­weisen: 1. Nähe zum Me­dium oder eine re­gio­nale Nähe, 2. Re­le­vanz, neuer As­pekt des mit­ge­teilten Sach­ver­halts, 3. Ak­tua­lität, 4. Nen­nung eines An­sprech­part­ners. Nach diesen Kri­te­rien sollte die Nach­richt ver­fasst sein, wenn sie ge­lesen werden soll. Zei­tungen haben be­stimmte Schwer­punkte, die man be­dienen muss, wenn man auf­ge­nommen werden möchte.

Die Home­page

Heut­zu­tage ist eine ak­tu­elle und über­sicht­liche Home­page das Wich­tigste, um eine laute Stimme zu haben. Es­sen­tiell ist sie eben­falls für die Pres­se­ar­beit, da auch Jour­na­listen googlen bzw. wei­tere In­for­ma­tionen über Eure Ak­tion su­chen. Sie sollten dort alles finden, was sie brau­chen könnten. Dazu bietet es sich an, einen ei­genen Be­reich für Presse an­zu­legen, wo In­for­ma­tionen zur ak­tu­ellen Ak­tion ebenso zu finden sind wie zu Euch als Akteur/in. Die Pres­se­mit­tei­lung sowie wei­tere Ma­te­ria­lien (Flyer Poster, Auf­kleber, Logos!) sollten zum Down­load be­reit­stehen. Wichtig sind auch aus­sa­ge­kräf­tige, druck­bare (Auf­lö­sung 300dpi) Fotos, die mit Meta-Informationen wie Titel, Datum, Bild-Unterzeile und Namen der ab­ge­bil­deten Per­sonen sowie Kontakt-Daten ver­sehen sind. Gute Gra­fiken, Ka­ri­ka­turen und Bilder sind immer be­gehrt. Es sollte alles so zur Ver­fü­gung stehen, dass ein Jour­na­list es nur noch ver­öf­fent­li­chen muss, ohne viel Zeit in­ves­tieren zu müssen.

Das Me­dium

In Deutsch­land gibt es ca. 230 Ta­ges­zei­tungen und Zehn­tau­sende Blogs, dazu Hun­derte Radio– und Fern­seh­sender, aus denen man sich den ge­eig­neten Partner raus­su­chen muss. Es lohnt sich nicht, bei allen an­zu­fragen. Jeder Radio– oder Fern­seh­sender ge­nauso wie jede Zei­tung und jedes Online-Nachrichtenportal hat eine be­stimmte Struktur, ge­wisse Schwer­punkte und eine Ziel­gruppe. Um das rich­tige Me­dium zu wählen und dann auch dort auf­ge­nommen zu werden, sollte man dies vor dem Start ana­ly­sieren. Den ersten Ein­blick er­hält man am besten, indem man die Me­dia­daten an­for­dert (über die Homepage/per Email), um etwas über Ziel­gruppen, Auflage/Hörerzahl, An­zei­gen­for­mate und –kosten, The­men­über­sicht, bei Zei­tungen auch spe­zi­elle Bei­lagen usw. zu erfahren.

Es gibt meis­tens ver­schie­dene Res­sorts und ver­schie­dene For­mate (in einer Zei­tung Mei­nungs­seiten, Ka­ri­ka­turen, Zi­tate, Bild des Tages, Le­ser­briefe, im Radio In­ter­views, Live-Mitschnitte etc.), in denen man sich plat­zieren kann, je nach dem wel­chen Cha­rakter die Nach­richt hat. Man könnte zum Bei­spiel über­legen, wel­cher As­pekt des ei­genen An­lie­gens für be­stimmte Res­sorts in­ter­es­sant sein könnte, oder man fügt der Ak­tion einen kul­tu­rellen Bei­trag hinzu und kann so die Ak­tion z.B. über die An­kün­di­gung eines Band­auf­tritts im Kul­tur­res­sort ein­bringen. Auf ähn­liche Weise ist es auch öffent­lich­keits­wirksam Pro­mi­nente zu der Ak­tion ein­zu­laden, oder besser noch, sie in die Durch­füh­rung der Ak­tion mit einzubinden.

Nicht nur die (re­gio­nalen) Ta­ges­zei­tungen können in­ter­es­sant und hilf­reich sein, son­dern auch lo­kale Wo­chen­zei­tungen (die auch mal fer­tige Ar­tikel ver­öf­fent­li­chen) sowie Uni-Radios oder Ge­werk­schafts­zei­tungen. Um die rich­tigen Ansprechpartner/innen in den ein­zelnen Ressort-Redaktionen zu finden, reicht meis­tens ein Anruf bei der Zei­tung oder dem Ra­dio­sender. Um dann auch ihre Auf­merk­sam­keit zu er­halten, sollte man den Re­dak­teu­rinnen und Re­dak­teuren nicht nur eine Email schreiben, son­dern sie auch an­rufen und ihnen kurz und schmack­haft er­klären, warum die Mel­dung wichtig ist, und auf die Email ver­weisen. Es ist dafür immer gut zu wissen, wann Re­dak­ti­ons­be­spre­chungen sind (bei Ta­ges­zei­tungen meist am späten Vor­mittag), um den je­wei­ligen Re­dak­teur vorher er­reicht zu haben, und auch wann Re­dak­ti­ons­schluss ist, für die frist­ge­rechte Ein­rei­chung von Fotos und Berichten.

Der Pres­se­ver­teiler

Der ei­gene Pres­se­ver­teiler ist ein Hei­ligtum, weil er – gut ge­pflegt und ak­tuell – Zu­gang zu allen wich­tigen Re­dak­tionen ent­hält und weil die Er­stel­lung ei­nige Ar­beit und Zeit er­for­dert, da man sich durch die Zen­tralen der Me­di­en­häuser durch­te­le­fo­nieren muss. Am besten legt man sich dafür eine Ta­belle auf dem Com­puter an, die für jedes Me­dium fol­gende Daten ent­hält: Er­schei­nungs­in­ter­vall, Adresse, Res­sorts, Re­dak­tionen, zu­stän­dige Re­dak­teure, in wel­cher Form wollen sie die Mel­dung haben (Fax, Email, Anruf, …), Email­adresse, Ver­tre­tungs­adresse, über­ge­ord­nete Adresse, Zeit­punkt der Res­sort­be­spre­chung, Re­dak­ti­ons­schluss. In einer be­schei­de­neren Va­ri­ante kann man sich auch ein­fach einen E-Mail-Verteiler an­legen, dessen Pflege je­doch auch nicht un­ter­schätzt werden darf.

Die E-Mails, die man über seinen Pres­se­ver­teiler schickt, sollten einen or­dent­li­chen Ab­sender haben – d.h. keinen Pri­vat­namen, son­dern den einer Or­ga­ni­sa­tion oder Gruppe. Der Be­treff der Email sollte ein Knaller sein und kann daher ruhig etwas emo­tio­naler ge­halten werden, damit er nicht in der Mail­flut un­ter­geht. Die Über­schrift muss prä­gnant sein und der In­halt (zum Bei­spiel die Pres­se­mit­tei­lung) sollte nicht nur im An­hang stehen, son­dern auch di­rekt in der Mail.

Be­reits im Vor­feld (z.B. eine Woche davor) kann die Ver­an­stal­tung oder Ak­tion bei den Re­dak­tionen an­ge­kün­digt und da­nach ge­fragt werden, ob sie nicht dar­über be­richten möchten oder einen Prak­ti­kanten oder Vo­lontär haben, der sie be­gleiten möchte. Am Ak­ti­onstag sollte auf jeden Fall vor 9 Uhr die Pres­se­mit­tei­lung ver­schickt und ein Anruf mit dem Hin­weis auf diese Pres­se­mit­tei­lung ge­tä­tigt werden.

Die Pres­se­mit­tei­lung

Auch eine Pres­se­mit­tei­lung ist eine Nach­richt, also sollten die wich­tigsten In­for­ma­tionen gleich zu an­fangs ge­geben werden. Auf die Über­schrift kommt es an! Sie sollte auch in der Be­treff­zeile der Email an den Re­dak­teur stehen. Wenn die Über­schrift eher ef­fekt­voll ist und noch nicht so viel In­halt lie­fert (z.B. ein Wort­spiel o.ä.), dann muss in der Un­ter­zeile der Zu­sam­men­hang zum ei­gent­li­chen Sach­ver­halt her­ge­stellt werden – und um­ge­kehrt. Im Vor­spann (2−4 Zeilen vor dem Text) sollte in Kurz­form alles auf­tau­chen, was in der Mel­dung zu er­warten ist.

Eine Pres­se­mit­tei­lung muss nar­ren­si­cher 7 Ws be­ant­worten: Wer? Wo? Wann genau? Was soll be­richtet werden? (Diese vier An­gaben sollten auch schon im Vor­spann un­ter­ge­bracht sein.) Warum kam/kommt es dazu? Wie passiert/e es? Woher stammt die In­for­ma­tion (nicht: von mir, son­dern z.B.: Un­seren Re­cher­chen zu­folge…). Die ge­samte Mit­tei­lung sollte auf eine A4-Seite passen, weil in der Re­dak­tion oft alle ein­ge­gan­genen Mit­tei­lungen aus­ge­druckt und schnell durch­ge­blät­tert werden – des­wegen muss die Über­schrift auch ein Blick­fang sein. Das Wich­tigste muss nach vorn; Er­eig­nisse müssen des­halb nicht un­be­dingt chro­no­lo­gisch er­zählt werden. Auf diese A4-Seite sollten gut sichtbar An­sprech­partner mit Namen und Te­le­fon­nummer (viel­leicht auch Foto), die zu­ge­hö­rige Or­ga­ni­sa­tion oder Gruppe mit Kon­takt­daten und vor allem mit der In­ter­net­adresse sowie ein Ab­binder, in dem in zwei Sätzen die Frage be­ant­wortet wird, wer ei­gent­lich die Pres­se­mit­tei­lung schickt (z.B. Grün­dungs­datum, Ziel­gruppe, Ar­beits­schwer­punkt oder Mit­glie­der­gruppe). Tech­ni­sche Daten wie An­fahrts­be­schrei­bung, Ak­kre­di­tie­rung etc. können auf eine zweite Seite, die auch als solche ge­kenn­zeichnet werden sollte (z.B. durch Kopf­zeile, Seitenzahl)

Ein paar Tipps zum Ver­fassen des Textes: Mehr­mals lesen und alles Über­flüs­sige strei­chen, roten Faden ein­halten, zum Schluss nochmal die Über­schrift auf­greifen, pro As­pekt oder Ge­danke einen Ab­satz ver­wenden, kurze Ab­sätze sind le­se­freund­lich, Zi­tate lo­ckern auf, nicht zu lange Sätze (nicht mehr als ein Ne­ben­satz), statt Sub­stan­tive (-ismen) lieber Verben be­nutzen, Flos­keln ver­meiden, nicht „wieder“ be­nutzen (ist ja das Ge­gen­teil einer Neu­ig­keit), immer die gleiche Schreib­weise ver­wenden, Recht­schrei­bung prüfen.

Down­loads:

Merk­blatt zur Pres­se­ar­beit (PDF)

Blan­ko­vor­lage Pres­se­mit­tei­lung (Word-Dokument)

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Aktionen, Aktionslexikon und verschlagwortet unter , , , . Link bookmarken.

3 Antworten auf P wie Pressearbeit

  1. Fargurd sagt:

    Der Ar­tikel macht mich ein wenig stutzig, denn ich ver­mute, dass es auf­grund der Ver­wer­tungs­logik in Zei­tungen, Zeit­schriften, Radio und TV auch hier dazu kommen kann, dass Men­schen ihre Pres­se­mit­tei­lungen »auf­bau­schen« oder sonst wie zu­sammen kon­stru­ieren, über­treiben und damit nichts an­deres ma­chen (viel­leicht we­niger pro­fes­sio­nell), als die eta­blierten Medien.

    Gibt es ein Lö­sungs­an­gebot? Ich glaube schonn. Zu­min­dest in An­sätzen ent­wi­ckelt es sich ge­rade. Denn mitt­ler­weile ten­dieren auch Zei­tungen dazu, mal in Blogs nach In­for­ma­tionen zu su­chen. Hier würde ich fast an­setzen. Denn als Pres­se­mit­tei­lung sollte un­be­dingt auch die Blog­land­schaft er­wähnt werden, denn hier hat mensch eine grö­ßere Chance (meiner Mei­nung nach), dass nicht total ver­zerrt und ge­kürzt wird, wie es ge­rade in die Laune und/oder po­li­ti­sche Ein­stel­lung der Chef­re­dak­teu­rInnen passt.

      (Zi­tieren)

    • Bleib-passiv sagt:

      Wir haben ja in un­serem Ar­tikel er­wähnt, dass es tau­sende von Blogs gibt, an die es sich zu wenden lohnen könnte — je nach dem, wel­chen Cha­rakter eine Ak­tion hat oder welche Bot­schaft sie ver­mit­teln will.

      Auch wir freuen uns na­tür­lich dar­über, Ak­ti­ons­be­richte oder An­kün­di­gungen zu­ge­schickt zu be­kommen und darauf auf­merksam zu machen.

      Du hast Recht, dass sich die Be­richt­er­stat­tung eta­blierter Me­dien in­zwi­schen auch in der Blo­go­sphäre um­schaut und dort nach In­for­ma­tionen sucht. Die an­ge­spro­chene Ver­wer­tungs­logik, die zwei­fellos den Jour­na­lismus stark prägt, wird ver­mut­lich aber auch dann noch eine Rolle spielen, wenn Zei­tungen, Zeit­schriften o. ä. sich bei ihrer Re­cherche in Blogs In­for­ma­tionen holen und diese dann für Ver­öf­fent­li­chungen verarbeiten.

      Letzt­lich ist es eine Sache der ei­genen Ab­wä­gung, wie viel Wert auf das Er­scheinen in einem eta­blierten Me­dium ge­legt wird, das eine brei­tere Masse er­reicht als es bspw. Blogs ver­mögen. Hier gibt es im­mer­noch große Un­ter­schiede. Viele Blog­ge­rInnen und Blog-LeserInnen lesen auch Zei­tung und ver­folgen Nach­richten auf den »übli­chen« Wegen. Aber Zei­tungs­le­se­rInnen lesen nicht au­to­ma­tisch auch Blogs.

      Aber ich stimme Dir da völlig zu: Die Blo­go­sphäre findet zum Glück in­so­fern Be­ach­tung als Themen, die hier mit hoher Be­tei­li­gung dis­ku­tiert werden, auch mitt­ler­weile schneller von eta­blierten Me­dien auf­ge­griffen werden. In­so­fern können wir – als Blog – nur dazu er­mu­tigen, sich hier rege zu be­tei­ligen und diese Platt­formen zum festen Be­stand­teil der ei­genen In­for­ma­ti­ons­re­cherche und Mei­nungs­bil­dung zu machen.

        (Zi­tieren)

  2. Pingback: B wie Banküberfall | Bleib passiv.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*
To prove you're a person (not a spam script), type the security word shown in the picture. Click on the picture to hear an audio file of the word.
Anti-spam image

Seite 1 von 11