Un­gleich­stel­lung vorangetrieben

Ungleichstellung von Mann und Frau

Schlechte Aus­sichten

Der erste Gleich­stel­lungs­be­richt der Bun­des­re­gie­rung ent­hält mehr Wahr­heiten als es der Re­gie­rung und der zu­stän­digen Mi­nis­terin Köhler lieb sein dürfte. Die Er­geb­nisse der Sach­ver­stän­di­gen­kom­mis­sion be­legen, dass von Chan­cen­gleich­heit zwi­schen Män­nern und Frauen längst noch nicht ge­spro­chen werden kann. Schuld daran ist die feh­ler­hafte bzw. man­gelnde Ziel­set­zung der Po­litik. Frauen ver­dienen im Schnitt ein Viertel we­niger, ihr An­teil an Füh­rungs­po­si­tionen hat in den letzten Jahren sta­gniert und sie sind wei­terhin über­mäßig stark der Dop­pel­be­las­tung von Haushalt/Kindern und Er­werbs­ar­beit ausgesetzt.

Es wäre ein ebenso ein­fa­ches wie fal­sches Un­ter­fangen, Kris­tina Köhler, Mi­nis­terin für Fa­milie, Se­nioren, Frauen und Ju­gend, die Schuld an der Mi­sere zu geben. Dafür ist sie nicht lange genug im Amt. In ihrer Rolle als Ver­tre­terin eines kon­ser­va­tiven und wirt­schafts­li­be­ralen Welt­bildes re­prä­sen­tiert sie je­doch genau jene Po­litik, die einer echten Gleich­be­rech­ti­gung zwi­schen Män­nern und Frauen in Deutsch­land im Wege steht.

Die sich seit Jahren aus­brei­tenden Mi­ni­jobs werden in ihrer übergroßen Mehr­zahl von Frauen be­kleidet. Doch mit 400-Euro-Stellen lässt sich weder eine ei­gene Exis­tenz si­chern, noch bieten diese Jobs ein Sprung­brett in ein so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tiges Be­schäf­ti­gungs­ver­hältnis. Wäh­rend die Gleich­stel­lungs­kom­mis­sion in den Mi­ni­jobs eine Falle sehen, die sich auf die Gleich­be­rech­ti­gung „de­sas­trös“ aus­wirkt, planen CDU und FDP laut Ko­ali­ti­ons­ver­trag die För­de­rung für ge­ring ent­lohnte Be­schäf­ti­gungen weiter aus­zu­bauen. Da­durch steht zu be­fürchten, dass der Lohn­ab­stand zwi­schen Män­nern und Frauen, in Deutsch­land mit 23 Pro­zent so hoch wie in kaum einem an­deren eu­ro­päi­schen Land, weiter wächst. Um dieser Ten­denz ent­ge­gen­zu­treten, schlägt die Kom­mis­sion die Ein­füh­rung eines ge­setz­li­chen Min­dest­lohns vor, von dem ins­be­son­dere Frauen pro­fi­tieren würden. Mit CDU und FDP ist hier je­doch nichts zu ma­chen und auf einen Wi­der­spruch aus dem Fa­mi­li­en­mi­nis­te­rium wartet man vergeblich.

Tabelle GleichstellungEbenso stur be­harrt ins­be­son­dere die Union auf dem Ehe­gat­ten­split­ting, das einen großen Lohn­ab­stand zwi­schen Ehe­part­nern steu­er­lich be­güns­tigt und damit einen An­reiz für Frauen schafft, wenig zu ar­beiten oder ganz zu­hause zu bleiben. Zum Leid­wesen der Gleich­be­rech­ti­gung muss kon­sta­tiert werden, dass auch im Jahr 2011 die Kon­ser­va­tiven in diesem Land nicht be­reit sind, auf eine Re­ge­lung zu ver­zichten, die seit den 1950er Jahren den Ein­tritt von Frauen ins Er­werbs­leben be­hin­dert. So stark sich die Rolle der Frau in den letzten 50 Jahren auch ge­än­dert hat – am deut­lichsten an­hand des Bil­dungs­er­folgs junger Frauen sichtbar –, so wenig hält das Rol­len­ver­ständnis in der Po­litik mit dieser Ent­wick­lung Schritt.

Ebenso wenig vermag die Po­litik die Un­ge­rech­tig­keit zu be­sei­tigen, dass Frauen trotz ihrer her­vor­ra­genden Aus­bil­dung kaum in die obersten Füh­rungs­etagen der Wirt­schaft auf­steigen. Die Quote weib­li­cher Füh­rungs­kräfte in der Pri­vat­wirt­schaft liegt bei 26 Pro­zent, bei Po­si­tionen mit um­fas­senden Füh­rungs­auf­gaben gar nur bei 17 Pro­zent (2001: 22%). Eine Frau­en­quote, wie sie bspw. in Frank­reich zu Be­ginn des Jahres ein­ge­führt wurde, könnte hier Ab­hilfe schaffen, doch die über­zeugte Anti-Feministin Köhler ist auch eine Quoten-Gegnerin. Da­gegen be­für­wortet es die Gleich­stel­lungs­kom­mis­sion, Ge­schlech­ter­quoten für Auf­sichts­räte und wei­tere Füh­rungs­po­si­tionen ein­zu­führen und Ver­stöße da­gegen kon­se­quent zu ahnden.

Wäh­rend Kris­tina Köhler, zu deren ersten Amts­hand­lungen die Ein­rich­tung eines Re­fe­rates zur För­de­rung von Jungen war, jeg­li­ches En­ga­ge­ment und jede Sach­kenntnis ver­missen lässt, ist der Be­richt ein­deutig: Im Fazit stellt die Kom­mis­sion fest, „dass das feh­lende Leit­bild der Gleich­stel­lungs­po­litik dazu führe, dass sie gleich­zeitig An­reize für völlig un­ter­schied­liche Le­bens­mo­delle gebe. (…) Eine Po­litik, die auf eine wirk­liche Chan­cen­gleich­heit ab­ziele, müsse Fehl­an­reize ver­meiden.“ Das Plä­doyer der Sach­ver­stän­digen gegen Mi­ni­jobs aber für Min­dest­löhne, gegen Ehe­gat­ten­split­ting und für Frau­en­quoten spricht eine deut­liche Sprache: Die Gleich­be­rech­ti­gung zwi­schen Män­nern und Frauen bleibt mit einer schwarz-gelben Bun­des­re­gie­rung und einer Mi­nis­terin Schröder ein uto­pi­sches Ziel.

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11 Antworten auf Un­gleich­stel­lung vorangetrieben

  1. Pit sagt:

    Köhler schon in der Ba­by­pause? Den Be­richt hat sie ein­fach igno­riert, nun nimmt von der Layen das Heft in die Hand und for­dert eine Quo­ten­re­ge­lung für Vo­stände. Dann erüllt der Be­richt viel­leicht doch noch seine Funk­tion eine De­batte an­zu­stoßen, auch gegen die Igno­ranz der zu­stän­digen Ministerin.

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  2. NannyOgg07 sagt:

    In­ter­es­sant auch dass Kris­tina Köhler in einer Partei den Auf­stieg ge­schafft hat die eine Quote hat! Muss sie sich da auch un­te­stellen lassen nur eine Quo­ten­frau zu sein? Und hätte sie in An­be­tracht ihrer im­mensen Kom­pe­tenz (Ach­tung Ironie) diesen Auf­stieg auch ohne Quote und ohne Koch als För­derer ge­schafft? Aber es geht na­tür­lich in der wun­der­baren Mär­chen­welt der freien Wirt­schaft nur um Eignung :-/

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    • Bleib-passiv sagt:

      Hat die CDU denn eine Quote? Ich dachte, nur die CSU hat kürz­lich eine ein­ge­führt.
      Aber es gibt auch so etwas wie eine in­of­fi­zi­elle Quote, bei der sich der Män­ner­klüngel denkt, zur bes­seren Au­ßen­dar­stel­lung wäre eine Frau mal gar nicht schlecht. Am besten eine, die nicht so viel auf dem Kasten hat und die man dann wie eine Ma­rio­nette steuern kann. So wird es wohl bei Koch und Köhler ge­wesen sein..

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  3. NannyOgg07 sagt:

    Keine Quote, aber ein Quorum von einem Drittel, Quelle hier:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Frauenquorum#Frauenquorum_in_der_CDU

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  4. NannyOgg07 sagt:

    Ges­tern hat sich Wil­fried Schmickler in den Mit­ter­nachts­spitzen nochmal sehr tref­fend zum Thema ge­äu­ßert :-) )

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  5. rhhs sagt:

    also, auch wenn ich damit al­lein auf weiter Flur stehe, finde ich, dass man den Män­nern und Frauen ein­fach selber über­lassen sollte, wie, auf wel­chen Kar­rie­relevel, usw. sie Ihr Leben ge­stalten. Auch Frau hat die Mög­lich­keit, Ge­hälter zu ver­han­deln und so ihren Wert für die Firma her­aus­zu­finden. Eine Quote lehne ich ka­te­go­risch ab und die ganze Gleich­ma­cherei finde ich zum kotzen! Männer und Frauen sind eben un­ter­schied­lich und die Ge­ne­ra­tion »Frau 2000″ hat das Gott sei Dank zu Groß­teil be­griffen. Es wird immer Männer und Frauen geben, die sich ge­gen­seitig in der Ent­fal­tung ihrer per­sön­li­chen Le­bens­um­stände hämmen, m.E. wird der Markt diese Firmen mit­tel­fristig selber aus­sor­tieren, oder;-))

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    • Bleib-passiv sagt:

      Es hat nichts mit Gleich­ma­cherei zu tun, wenn es um die For­de­rung geht, dass Frauen gleiche Chancen auf dem Ar­beits­markt und gleiche Löhne kriegen. Das ist doch eine Selbst­ver­ständ­lich­keit. Das beide Ge­schlechter »un­ter­schied­lich« sind recht­fer­tigt keine Be­nach­tei­li­gung. Tat­säch­lich glaube ich, dass Firmen, die auf weib­liche Kom­pe­tenzen ver­zichten letzt­end­lich schlechter dastehen.

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  6. Arno Nym sagt:

    Das Ar­gu­ment mit dem Ehe­gat­ten­split­ting ist doch Quatsch. Am Jah­res­ende kommt die Ein­kom­men­steu­er­er­klä­rung und dann lösen sich die Steu­er­klassen in Wohl­ge­fallen auf, weil das Brut­to­ein­kommen beider Ehe­leute ad­diert und daraus die ge­mein­same Steu­er­quote be­rechnet wird. Wenn der Mann 100.000 Euro nach Hause bringt und die Frau 77.000 (also die durch­schnitt­li­chen 23 % we­niger), dann trägt die Frau 77/177 = 43,5 % zum Fa­mi­li­en­ein­kommen bei — auch wenn dank Lohn­steu­er­klasse V auf ihrer Lohn­steu­er­karte und ihrem mo­nat­li­chen Ge­halts­scheck znächst mal deut­lich we­niger steht. Durch die ge­mein­same Ver­an­la­gung des Ge­samt­ein­kom­mens ist das aber nichts re­le­vantes, son­dern nur Zahlen auf Pa­pier.
    Kor­ri­giert mich, wenn ich im Un­recht bin.

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    • Bleib-passiv sagt:

      Das Ehe­gat­ten­split­ting be­wirkt, dass das Haus­halts­ein­kommen gleich­mäßig auf die Ehe­partner ver­teilt wird und dann die Steuer an­setzt. Wenn der Mann 100 000 Euro ver­dient und die Frau nichts, können dann beide 50 000 Euro ver­steuern. Und da die Ein­kom­mens­steuern mit zu­neh­menden Ge­halt an­steigen, spart sich dieses Ehe­paar durch das Ehe­gat­ten­split­ting eine Me­nege Steuern. Vor allem wenn der einer ( der Mann) viel ver­dient, kann da­durch so viel Steuern ge­spart werden, dass auf jeden Fall der An­reiz ge­schaffen wird, dass die An­dere zu­hause bleibt. Kor­ri­giert mich, wenn ich im Un­recht bin.

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  7. Hamburger sagt:

    Ich muss mich sehr wunder, dass hier voll­kommen un­dif­fe­ren­ziert eine Zahl von 23% Lohn­un­ter­schied auf­ge­führt wird. Die ak­tu­elle Studie des sta­tis­ti­schen Bun­des­amtes stellt fest, das Ma­ximal 8 Pro­zent Dif­fe­renz bestehen.

    Bei ver­gleich­barer Ar­beit, Po­si­tion und Ar­beits­pensum ver­dient keine Frau auf­grund ihres Ge­schlechts we­niger. Ta­rif­löhne sind nicht ge­schlechts­ge­bunden ebenso er­halten Frauen im öffent­li­chen Dienst si­cher keine schlech­teren Verträge.

    Warum ein Lohn­un­ter­schied be­steht, ist hin­rei­chend be­kannt und soll hier nicht im De­tail aus­ge­führt werden. Frauen er­greifen mehr schlechter be­zahlte Be­rufe als Männer, Frauen haben mehr Fehl– und Aus­zeiten, mehr Teil­zeit­jobs und we­niger Überstunden.

    Ein wenig mehr Dif­fe­ren­zie­rung würde hier nicht schaden.

    Vor allem wird bei dem Ziel einer mög­lichst schöne Sta­tistik ver­gessen, das ak­tuell Männer be­reits stark be­nach­tei­ligt sind. Qou­ten­for­de­rungen sind per se se­xis­tisch, ein paar Gold­röcke lösen nicht die Pro­bleme der mil­lionen Fraunen die als Kas­sie­rerin oder in an­deren Hilfs­jobs zu Nied­rig­löhnen aus­ge­nutzt werden.

    Dieser Ar­tikel ist leider pein­li­cher Lob­by­ismus, der dreiste Rea­li­täts­ver­zer­rung be­treibt.
    Die wahren Pro­bleme der Gen­der­po­litik für Frauen und auch Männer werden nicht the­ma­ti­siert. Mas­sive Be­nach­tei­li­gung von Männer wird in den Kauf ge­nommen, schön jetzt werden diese auf Kosten einer Hand­lungs­un­fä­hingen Po­litik und Lob­by­ismus be­nach­tei­ligt. Warum spricht nie­mand über die über 90% Ob­dach­lo­sen­quote bei Män­nern.
    Warum er­halten Posten für Vor­stands­vor­sit­zende diese me­diale Auf­merk­sam­keit?
    Schulen und Uni­ver­si­täten för­dern auf ihre Kosten Frauen und Mäd­chen. dieser Un­sinn muss ein Ende haben, gleiche Chancen ohne Be­vor­zu­gung wären die dem Grund­ge­setzt ent­spre­chende Verpflichtung.

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