D wie Demobusting

De­mons­tra­ti­ons­frei­heit ist ein hohes und schüt­zens­wertes Gut. Gelten soll sie auch für so son­der­bare po­li­ti­sche Ver­ei­ni­gungen wie FDP und CDU. Deren An­hänger, im Schnitt wenig de­mons­tra­ti­ons­er­fahren, trauen sich nur alle Ju­bel­jahre auf die Straße und ver­bleiben dann meist im kleinen, ra­di­kalen Kreis. Damit un­ter­scheiden sie sich kaum von an­deren po­li­ti­schen (oder auch re­li­giösen) Sekten, die eben­falls dann und wann ihre ab­strusen Ideen in die Öffent­lich­keit tragen. Sol­cherlei Kund­ge­bungen eignen sich für eine Ak­tion, die wir in An­leh­nung ans Ad­bus­ting als »De­mo­bus­ting« be­zeichnen wollen. Hier ein paar Ideen und Beispiele…

Durch­füh­rung

Kommunisten fressen kleine Kinder

Und sogar zu CDU-Demos geben Kom­mu­nisten ihren Senf dazu.

Eine be­vor­ste­hende De­mons­tra­tion einer un­lieb­samen Grup­pie­rung, deren For­de­rungen man ab­lehnt, kann man ent­weder igno­rieren oder konstruktiv-kritisch bis ironisch-albern begleiten.

Die vor­teil­hafte Aus­gangs­lage für die zweite Va­ri­ante ist das Recht eines jeden, eine an­ge­mel­dete De­mons­tra­tion auf­zu­su­chen. Da­durch er­gibt sich die Mög­lich­keit eine Kund­ge­bung zu in­fil­trieren und von innen heraus mit der ei­genen Kritik zu kon­fron­tieren. Mög­lich ist dies auf zwei­erlei Wegen: Zum einen kann den ver­tre­tenen Ansichten of­fensiv und ernst­haft wi­der­spro­chen werden, um ihnen nicht kri­tiklos Raum zu geben. Zum an­deren, und das ist die lus­ti­gere Va­ri­ante, können For­de­rungen der De­mons­tranten auf Pla­katen oder in Sprech­chören ra­di­ka­li­siert und da­durch über­höht werden. Er­reicht werden kann damit eine hu­mo­ris­ti­sche oder auch dif­fa­mie­rende Wir­kung auf die Pas­santen, die unter Um­ständen von den ei­gent­li­chen De­mons­tra­ti­ons­teil­neh­mern noch nicht einmal als solche er­kannt wird.

Bei­spiele

Demobusting FotosessionDie Ber­liner CDU, Ab­tei­lung Lich­ten­berg, kämpft an einem kalten Sams­tag­morgen gegen den Kom­mu­nismus, na­ment­lich ver­treten durch Ge­sine Lötzsch, Vor­sit­zende der Links­partei. 21 wa­ckere kon­ser­va­tive Rentner stehen an einer win­digen Kreu­zung und wollen an die Schre­cken der DDR er­in­nern. Au­ßerdem dabei sind rund 100 junge Ka­pi­ta­lis­mus­gegner, die die re­flex­hafte Anti-Kommunismus-Hysterie ad ab­surdum führen wollen. Dafür haben sie Schilder mit Lo­sungen wie „Geht doch nach drüben“, „Lieber ar­beitslos als Kom­mu­nist“ oder „Kom­mu­nisten fressen kleine Kinder. Mit Bautzner Senf“ dabei. Dazu skan­dieren sie „VEB statt BRD“ oder „Euer Hei­land Jesus Christ war doch auch ein Kom­mu­nist“ und singen die In­ter­na­tio­nale. Die Alt-Kapitalisten von der CDU ver­harren in ihrem Schicksal, das vor allem in einer kom­plett ver­fehlten Au­ßen­wir­kung be­steht, wäh­rend die jungen Demo-Buster sich um ein Grup­pen­foto mit dem trau­rigen Häuf­lein reißen.

Als im Juni 2009 der Bil­dungs­streik für bes­sere Be­din­gungen vor allem an den Uni­ver­si­täten auf Hoch­touren lief, mel­deten die li­be­rale (FDP-nahe) Hoch­schul­gruppe und der RCDS (CDU) der Humboldt-Universität eine „Streikbruch“-Demonstration unter dem Motto „Bildungs-Chancen statt Kampf und Streik“ an. 15 junge Kon­ser­va­tive ver­liefen sich plötz­lich zwi­schen 100 Ak­ti­visten aus dem Bil­dungs­streik, aus­ge­stattet mit Pa­rolen und Schil­dern wie „So­ziale Aus­gren­zung ef­fi­zi­enter ge­stalten“, „BAföG ist Wett­be­werbs­ver­zer­rung« oder  „Stu­di­en­ge­bühren für alle“. Dass die Po­lizei die beiden Gruppen an­schlie­ßend trennte, tat der Stim­mung keinen Ab­bruch. Mit 200 Me­tern Ab­stand lief man dem kleinen Trupp ein­fach in einer ei­genen lauten Demo hin­terher (Be­richt).

Marktwirtschaft ist Barbarei

Den Ken ich schon…

All­jähr­lich kommt es eben­falls in Berlin zu Pro­testen gegen eine De­mons­tra­tion von so ge­nannten Le­bens­schüt­zern, die in einem Schwei­ge­marsch mit weißen Holz­kreuzen gegen das Recht auf Ab­trei­bung de­mons­trieren. Der Auf­marsch der christ­li­chen Fun­da­men­ta­listen wird schon fast tra­di­tio­nell mit lautem Wi­der­spruch be­gleitet. Ein­ge­reiht in die Demo, am besten mit einem falsch herum ge­tra­genen Kreuz, er­schallen dann Pa­rolen wie „Hätt‘ Maria ab­ge­trieben, wär’t ihr uns er­spart ge­blieben“ oder Wolf­gangs Pe­trys Super-Hit: Wahn­sinn, warum schickst du mich in die Hölle? (Hölle, Hölle, Hölle).

Letzter Hin­weis

De­mons­tra­tionen rich­tiger Nazis können sich zwar dafür eignen, die Nazis und ihre „In­halte“ iro­nisch vor­zu­führen, wie die »Front deut­scher Äpfel« re­gel­mäßig be­weist, je­doch vor­zugs­weise au­ßer­halb deren Kund­ge­bungs­raumes. Denn: De­mo­bus­ting soll eine Ak­tion sein, die es er­mög­licht dem po­li­ti­schen Gegner in­halt­lich Pa­roli zu bieten und dabei auch noch Spaß zu haben, nicht je­doch zu ag­gres­siven Kon­flikt­si­tua­tionen führen.

Noch mehr Bilder von der be­bus­teten Antikommunismus-Demo der CDU in Berlin-Lichtenberg am heu­tigen Samstag gibt es hier.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Aktionen, Aktionslexikon und verschlagwortet unter , , , . Link bookmarken.

4 Antworten auf D wie Demobusting

  1. Bleib-passiv sagt:

    Danke für den Hin­weis, Osul. 😀

      (Zi­tieren)

  2. Hänschen Müller sagt:

    Eine ins­ge­samt ziem­lich trau­rige Va­ri­ante der freien Mei­nungs­äu­ße­rung, die nur zeigt, wie wenig sich die Po­li­ti­sche Linke um das Recht an­ders­den­kender küm­mert.
    Statt in­halt­lich zu wi­der­spre­chen wird eine Schmutz­kam­pagne veranstaltet…

      (Zi­tieren)

  3. Dr. von und zu Guttenblog sagt:

    Auch die Pro-Guttenberg-Kundgebung war ein ge­lun­genes Bei­spiel für De­mo­bus­ting: http://www.hedonist-international.org/?q=de/node/1052

      (Zi­tieren)

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*
To prove you're a person (not a spam script), type the security word shown in the picture. Click on the picture to hear an audio file of the word.
Anti-spam image

Seite 1 von 11