B wie Banküberfall

BanküberfallHiermit ist na­tür­lich nicht ein wirk­li­cher Über­fall mit Strumpf­hosen über dem Kopf und vor­ge­hal­tenen Pis­tolen ge­meint. Der sym­bo­li­sche Bank­über­fall ge­hört zu den Ak­tionen, die sich an­bieten, um die Auf­merk­sam­keit der Me­dien und der Öffent­lich­keit zu er­rei­chen. Meh­rere Per­sonen statten der Bank einen fried­li­chen Be­such ab, um einen über­di­men­sio­nalen Scheck un­ter­schreiben zu lassen, um For­de­rungen zu ver­lesen oder ähn­li­ches.Ma­te­rial

Was­ser­pis­tolen und Ba­nanen, lus­tige Masken, Kon­fetti, Tril­ler­pfeifen, große Schecks auf Pappe ge­druckt, Videokamera.

An­wen­dung

Der Bank­über­fall eignet sich be­son­ders, wenn man einen Zu­sam­men­hang her­stellen kann zwi­schen seinen For­de­rungen und dem Treiben einer Bank. Beim Bil­dungs­streik wäh­rend der welt­weiten Fi­nanz­krise, in der die Re­gie­rungen kur­zer­hand Mil­li­arden für ver­schul­dete Banken her­bei­zau­berten, bot sich zum Bei­spiel der sym­bo­li­sche Bank­über­fall an: Bei den Banken wird nicht ge­spart, doch die Bil­dung trifft es hart. Die Rech­nung ging auf: Print– und Online-Medien, Radio und Fern­sehen – alle be­rich­teten (siehe unser Fund­stück) von der Aktion.

Dieses me­diale In­ter­esse wurde da­durch er­reicht, dass mit dem sym­bo­li­schen Bank­über­fall von Schü­lern und Stu­die­renden eine sehr aus­ge­fal­lene, krea­tive Ak­ti­ons­form ge­wählt wurde, die au­ßerdem bun­des­weit gleich­zeitig durch­ge­führt und mit For­de­rungen des Bil­dungs­streiks ver­knüpft wurde.

Or­ga­ni­sa­tion

In der ei­genen Stadt sollte man sich gut über­legen, welche Bank sich eignet. Diese Ent­schei­dung hängt nicht nur von der Lage des Geld­in­sti­tuts ab (an Haupt­straße oder großem Platz ge­legen ist von Vor­teil), son­dern auch von seiner Rolle im Zu­sam­men­hang mit dem Zweck der Ak­tion. Es ist auch sehr wichtig, un­ge­fähr ein­schätzen zu können, wie viele Men­schen sich an dem Bank­über­fall be­tei­ligen werden. Sind es zu we­nige stellt das den Er­folg in Frage. Wegen der Auf­merk­sam­keit der Me­dien sollten schon vorher per­sön­liche Kon­takte zu Jour­na­lis­tInnen von Zei­tungen sowie Radio und Fern­sehen ge­sucht werden. (Siehe P wie Pres­se­ar­beit)

Wird die Ak­tion bun­des­weit an meh­reren Orten durch­ge­führt, könnte man das Kon­zept mit allen Be­tei­ligten ge­meinsam ent­werfen. Es sollten Kon­takte zu allen Gruppen be­stehen, die den Bank­über­fall durch­führen werden. Für die bun­des­weite Pla­nung wäre eine Fi­nan­zie­rungs­quelle nütz­lich, um allen die Teil­nahme an den Ko­or­di­nie­rungs­treffen zu er­mög­li­chen. Man könnte sich an Ver­eine oder auch Ge­werk­schaften wenden.

Man sollte sich bei dieser Ak­ti­ons­form be­son­ders mit den recht­li­chen Be­din­gungen ver­traut ma­chen, denn es be­steht die Ge­fahr, dass diese Ak­tion des zi­vilen Un­ge­hor­sams eine Hausfriedensbruch-Anzeige nach sich zieht. Oft ist die Kom­mu­ni­ka­tion mit der Po­lizei leichter, hat man so etwas wie einen Schirm­herrn für die Ak­tion – also eine in der Öffent­lich­keit an­er­kannte Re­spekts­person (ein Ab­ge­ord­neter des Par­la­ments, eine Stadt­rätin oder Uni-Dozentin). Au­ßerdem ist Pres­se­ar­beit wichtig, um sich bei den Me­dien be­kannt zu ma­chen und schon im Vor­feld zu ver­deut­li­chen, dass es sich um eine fried­liche, sym­bo­li­sche Ak­tion han­delt. Da die Ak­tion vorher öffent­lich an­ge­kün­digt wird und daher der Po­lizei be­kannt ist, ist es not­wendig, eine Taktik zu über­legen, wie man es den­noch schafft, in die Bank zu gelangen.

Beispiel-Aktion Ber­liner Bank­über­fall beim Bildungsstreik

Wäh­rend der Bildungsstreik-Woche wurde für den 18. Juni der Tag des Zi­vilen Un­ge­hor­sams aus­ge­rufen, an dem die Banküberfall-Aktion erst­mals zum Ein­satz kam.

In Berlin wurde für diesen Tag zu­nächst eine Kund­ge­bung vor der Hypo Real Es­tate an­ge­meldet und durch­ge­führt. Es spra­chen der of­fi­zi­elle An­melder der Kund­ge­bung und FU-Dozent für Po­litik Dr. Peter Grot­tian, eine Ge­werk­schaf­terin sowie ein Or­ga­ni­sator der Ak­tion. Nach of­fi­zi­eller Be­en­di­gung der Kund­ge­bung zer­streuten sich die rund 700 Ver­sam­melten in fünf ver­schie­denen Rich­tungen, wobei sie den über­di­men­sio­nalen Schecks folgten, die sich wie bei einer Stadt­füh­rung an der Spitze be­fanden. Diese Stra­tegie wurde erst wäh­rend der Kund­ge­bung münd­lich von Teil­neh­merin zu Teil­nehmer wei­ter­ge­geben. Die Po­lizei wusste somit nicht, wel­cher Gruppe sie folgen sollte. Ins­ge­samt steu­erten die fünf Gruppen auf un­ter­schied­li­chen Wegen zwei Ziele an: Eine Fi­liale der Deut­schen Bank und eine der Com­merz­bank. Beide wurden vor Ein­treffen der Po­lizei von 70 bzw. 15 Leuten be­treten und die je­wei­ligen Fi­li­al­leiter auf­ge­for­dert, die Schecks in Höhe von 105 Mil­li­arden Euro für die Bil­dung zu unterschreiben.

Die rest­li­chen 600 Leute blieben vor der Bank und den eilig her­bei­ge­holten Po­li­zei­ketten stehen, um der For­de­rung nach Un­ter­schreiben der Schecks Nach­druck zu ver­leihen. Drinnen wie draußen lief alles fried­lich ab – man wollte ja nur die Un­ter­schriften haben. Leider war die Po­lizei an­schei­nend etwas über­for­dert und rea­gierte (auch auf Wunsch des Deut­sche Bank-Filialleiters) mit An­zeigen wegen Hausfriedensbruchs.

Somit ver­län­gerte sich die Ak­tion, weil nun die Men­schen draußen vor der Bank nicht ab­ziehen wollten, um si­cher­zu­stellen, dass die Schü­le­rInnen und Stu­die­renden in der Bank gut be­han­delt werden. Das gab aber we­nigs­tens der Presse Zeit, um gute Bilder zu ma­chen und genug Stoff für einen Be­richt zu sammeln.

Fotos HIER

Fo­to­strecke der Ber­liner Zeitung

Wei­tere, sehr aus­führ­liche Fo­to­strecke

Video bei der Mor­gen­post

Ein recht langer Ar­tikel im Uni­spiegel

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