P wie Plakatieren

Ich habe etwas zu sagen, aber nie­mand hört zu.“? Dann schreib es auf und häng es aus – damit hat schon Lu­ther für Auf­sehen ge­sorgt. Öffent­lich an­ge­brachte Pla­kate haben, an­ders als Flyer, den Vor­teil, dass sie von vielen Men­schen ge­sehen werden. Es gibt ei­nige Tricks für er­folg­rei­ches Plakatieren:

Ge­stal­tung

Pla­kate sollen Bot­schaften ver­mit­teln, zum Nach­denken an­regen, oder bspw. Ver­an­stal­tungen oder Pro­teste be­werben. Dafür muss die zen­trale Aus­ssage (Worum geht es, ggfs. Datum, Ort, Kon­takt­mög­lich­keit) gut sichtbar sein. Dafür sollte der Text nur aus dem Not­wen­digsten be­stehen und so ge­staltet sein , dass man ihn auch von weitem er­kennen kann.

Er­fah­rungs­gemäß wirken die Buch­staben beim De­si­gnen am Bild­schirm etwas größer als später auf dem Pa­pier. Des­halb lohnt es sich durchaus, Pro­be­drucke von Ent­würfen auf A3 oder A4 zu ma­chen, um die Pro­por­tionen besser ein­schätzen zu können. Seht euch ein biss­chen in eurer Stadt um und schaut mal, wie das an­dere ma­chen. Was spricht Euch an?

Ein Hin­gu­cker zieht die Blicke au­to­ma­tisch auf sich, des­halb könnte außer dem Text auch ein Bild, eine Ka­ri­katur oder eine Grafik auf das Plakat. Au­ßerdem muss rein recht­lich als „V. i. S. d. P.“ („Ver­ant­wort­lich im Sinne des Pres­se­rechts“) ein Name und eine Adresse draufstehen.

 

Dru­cken

Die Pla­kate werden am besten auf nass­festem Af­fi­chen­pa­pier ge­druckt. Da­durch lassen sich die Poster sehr gut mit Kleister an­bringen, ohne dabei ein­zu­reißen. Vor allem wenn es sich um grö­ßere Mengen han­delt, könnt ihr Pla­kate am prak­tischsten na­tür­lich bei Internet-Druckereien pro­du­zieren lassen. Die sind in der Regel recht günstig. Meist kann man on­line die fertig ge­stal­teten Pla­kat­vor­lagen als PDF– oder JPG-Datei oder auch in einem an­deren Gra­fik­format hoch­laden und dann die Be­stel­lung abschicken.

ACH­TUNG: Um keine bösen Über­ra­schungen zu er­leben, lest euch vorher genau die je­wei­ligen An­wei­sungen für eure Druck­vor­lage durch, die bei jeder Online-Druckerei zu finden sind. Ihr müsst unter Um­ständen darauf achten, dass ihr ein paar Mil­li­meter Be­schnitt­fläche an den Au­ßen­kanten der Pla­kat­vor­lage ein­plant. Aber das lest ihr, wie ge­sagt, am besten auf der je­wei­ligen Web­site nach.

Wenn es für Eure Zwecke aber nicht mehr­farbig oder be­son­ders groß­for­matig werden muss oder es sich nur um we­nige Pla­kate han­delt, dann tut es auch der Gang zum nächsten Ko­pier­laden. Bringt eine fer­tige (Schwarz-Weiß-)Druckdatei auf einem USB-Stick mit (am besten im PDF– oder JPG-Format) oder eine aus­ge­druckte Ko­pier­vor­lage und wählt z.B. far­biges Pa­pier. Eine gute Pla­kat­größe ist A2 (hand­li­cher ist je­doch A3).

TIPP: Bei Schwarz-Weiß-Drucken (so­wohl auf weißem, aber vor allem auch auf far­bigem Pa­pier) spielen die Kon­traste eine sehr wich­tige Rolle. Starke Kon­traste ste­chen hervor, schwache Kon­traste rü­cken in den Hin­ter­grund. Bei bunten (häufig 4-farbigen) Pla­katen ist es da­gegen be­son­ders wichtig, darauf zu achten, dass sie nicht zu bunt, nicht zu über­laden und nicht zu durch­ein­ander sind. Eine gute Kom­po­si­tion braucht Struktur und Pro­por­tionen – selbst wenn es „zu­fällig“ und wild aus­sehen soll.

 

Plakatieraktion

Anti-Advertising Agency bei der NYSAT-Aktion

Durch­füh­rung

Der nächste Schritt ist na­tür­lich das Pla­ka­tieren. Hun­dert­pro­zentig legal ist die Va­ri­ante, die Pla­kate in Läden aus­zu­hängen, nachdem man die Be­sitzer um Er­laubnis ge­fragt hat. Diese sind oft sehr ko­ope­rativ. Auch kleine Cafés, Bars oder Clubs bieten sich an, ebenso Bil­dungs­ein­rich­tungen, Volks­hoch­schulen, Rat­häuser, … Dort kann man am besten auch gleich noch Flyer aus­legen. Die Pla­kate sollten in sol­chen In­nen­räumen na­tür­lich nur mit Kle­be­band be­fes­tigt werden.

Im öffent­li­chen Raum gibt es meh­rere Mög­lich­keiten, Eure Pla­kate an­zu­bringen, legal ist es je­doch nur an Orten, die extra dafür vor­ge­sehen sind. Wie genau die Po­lizei oder das Ord­nungsamt bei so ge­nanntem wildem Pla­ka­tieren hin­schaut, un­ter­scheidet sich von Stadt zu Stadt und auch von Viertel zu Viertel. Da, wo schon Pla­kate hängen, er­höht sich die Chance ge­duldet zu werden, wer Rat­häuser oder Po­li­zei­sta­tionen be­klebt, darf da­gegen wohl nicht darauf hoffen, „über­sehen“ zu werden.

Ein paar Worte zum An­bringen: Kleister gibt es im Bau­markt, ebenso Eimer und Quast. Die An­lei­tung zum An­rühren des Kleis­ters steht auf der Pa­ckung. Denkt daran, dass ihr noch einen sta­bilen Stock oder etwas ähn­li­ches zum Um­rühren (von Kleb­stoff!) braucht. ACH­TUNG: In der Regel kann es bis zu einer Stunde dauern, bis der Kleber die rich­tige Kon­sis­tenz hat. Also gilt vor allem im Winter: erst an­rühren, dann los­gehen! Dafür kann guter Kleister sogar bei Regen ein­ge­setzt werden und ge­kleis­terte Pla­kate über­stehen oh­nehin so manche Wit­te­rung. Zum Kleis­tern zieht man am besten Sa­chen an, die ruhig dre­ckig werden können. Es kle­ckert! Nehmt Euch vor­sichts­halber immer auch breites (Gewebe-)Klebeband mit, dass sich ohne Schere ab­reißen lässt, falls der Kleister alle ist oder ihr auf kleister-ungeeignete Flä­chen stoßt. Bei Bäumen ver­wendet man am besten einen Ta­cker oder Kle­be­band. Ein­fach mit der kle­benden Seite nach außen ein paar Mal schräg um den Baum wi­ckeln, um dann die Pla­kate rund um den Baum an die Kle­be­seite zu drü­cken. Das ist auf jeden Fall ein Hin­gu­cker und schadet dem Baum über­haupt nicht. Wenn Ihr statt­dessen lieber ta­ckern wollt, weil es viel schneler geht, kauft Euch so einen Ta­cker aus dem Bau­markt, denn einen Bü­ro­ta­cker kann man nicht ver­wenden. Bitte achtet dabei nur darauf, dass ihr keine Kuf­perna­deln be­nutzt, denn diese würden dem Baum schaden.

 

Sprecht die Pla­ka­tier­tour vorher einmal durch. Ihr solltet die Ge­gend kennen. Wenn Ihr, vor allem beim Kleis­tern, we­niger auf­fallen wollt, dann nehmt Euch solche neu­mo­di­schen Um­hän­ge­ta­schen oder ein­fach Ruck­säcke mit, kleidet diese innen mit Zei­tung oder einem Müll­beutel aus und tragt darin zum Bei­spiel den Quast. An­ge­rührter Kleister kann auch in eine große Plas­tik­fla­sche um­ge­füllt werden. So kann er ein­fach auf den Quast auf­ge­tragen und wieder un­auf­fällig ver­staut werden. Im Ide­al­fall seid Ihr ca. 4 Leute. Dann pla­ka­tieren zwei und die beiden an­deren schauen sich immer in ei­nigem Ab­stand ein biss­chen die Zu­fahrts­straßen an. Seid auf­merksam, aber nicht pa­ra­noid. Bei großen Touren macht sich übri­gens ein Fahrrad (mit An­hänger) her­vor­ra­gend. So kommt man fle­xibel übe­rall hin und be­lastet die Um­welt nicht – und man kann es auch aus­sehen lassen wie einen An­hänger für Kinder.

Fair ist es, die Pla­kate von an­deren (Street Ar­tists, Ak­ti­vis­tInnen, Or­ga­ni­sa­tionen,..) nicht zu über­kleben. Bei Wer­bung und sons­tiger kom­mer­zi­eller Pro­pa­ganda, vor allem, wenn es sich um möchtegern-subversiven Re­kla­me­kram han­delt, der so tut als sei er „Street Art“, wüssten wir an­ge­sichts der All­ge­gen­wär­tig­keit dieser op­ti­schen und men­talen Um­welt­ver­schmut­zung nicht, warum hier Fair­ness ge­boten sein sollte.

Noch ein Tipp für mehr Auf­merk­sam­keit: Bringt man z.B. vier Pla­kate ne­ben­ein­ander an, sollte das dritte auf den Kopf ge­stellt werden. Da bleibt jedes Auge hängen.

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