M wie Menschenkette

Men­schen, die sich in eine Reihe stellen, tun das nicht immer um etwas zu be­kommen und ihrer Kon­sum­lust freien Lauf zu lassen.Nein, sie können es auch tun, um Pro­test zu ar­ti­ku­lieren. In diesem Fall han­delt es sich um eine Men­schen­kette. Bei dieser Ak­ti­ons­form schließen sich meist sehr viele Men­schen zu­sammen, um sym­bo­lisch einen Ort vom an­deren zu trennen bzw. zwei Orte zu ver­binden. Kon­flikt­frei, ge­fahrlos, so­li­da­risch – Men­schen­ketten sind als Spaß für die ganze Fa­milie un­ein­ge­schränkt zu empfehlen.

Für welche Ziele ist die Men­schen­kette geeignet?

Es gibt drei Grund­ge­danken hinter der Idee, Leute, die zu einer po­li­ti­schen Ma­ni­fes­ta­tion auf­ge­rufen werden, nicht an einem Ort zu sam­meln, son­dern in einer Reihe Auf­stel­lung nehmen zu lassen:

  1. Mit einer Men­schen­kette kann eine Grenze mar­kiert werden, bei­spiels­weise ein Viertel von einem an­deren, in dem Nazis auf­mar­schieren, ab­ge­grenzt werden oder die Grenzen eines Na­tur­ge­bietes auf­ge­zeigt werden, das gegen eine Be­bauung ver­tei­digt werden soll.
  2. Ein Er­eignis oder ein Ort, das sym­bo­lisch iso­liert und damit unter Druck ge­setzt werden soll (z.B. eine Ta­gung eines Ver­bandes, eine Par­la­ments­sit­zung oder ein Un­ter­neh­mens­sitz), kann mit einer Men­schen­kette um­zin­gelt werden.
  3. Oft­mals wird die Ak­ti­ons­form auch dafür ver­wendet, zwei Orte mit­ein­ander zu ver­binden, deren (in­halt­li­chen) Zu­sam­men­hang man damit deut­lich ma­chen will, etwa zwi­schen Lob­byor­ga­ni­sa­tionen und po­li­ti­schen In­sti­tu­tionen oder wie jüngst ge­schehen zwi­schen zwei Atom­kraft­werken. Da ge­rade bei letz­terem die auf­ge­zeigte in­halt­liche Ver­bin­dung eher tri­vial ist, muss noch auf eine wei­tere Mo­ti­va­tion für die Bil­dung einer Men­schen­kette hin­ge­wiesen werden: Umso länger die Kette ist, umso ein­drucks­voller sind die Bilder und so größer die Schlag­zeilen von der Ak­tion. Wenn je­doch die In­ten­tion einzig darauf liegt, mög­lichst ein­drucks­volle Stre­cken zu über­winden (auch im Namen eines po­li­ti­schen Ziels), han­delt es sich bei der Men­schen­kette im Grunde um nichts an­deres als um eine auf­ge­drös­elte, in die Länge ge­zo­gene Kundgebung.

Wie viele Men­schen werden benötigt?

Pro Meter zu über­win­dender Strecke kann eine Person ein­ge­plant werden. Geht es also um eine 10 Ki­lo­meter lange Strecke werden dafür be­reits 10 000 Men­schen be­nö­tigt. Bei einer Kette, bei der die Teil­nehmer nicht dicht an dicht stehen, son­dern sich mit aus­ge­streckten Armen be­rühren, sind auch an­dert­halb Meter pro Person zu über­brü­cken. Es gilt je­doch die Faust­formel: Lieber eine klei­nere Strecke aus­wählen, bei der die Teil­nehmer dicht ge­drängt bei­ein­ander stehen, als die Kette nicht schließen zu können. Sollte es den­noch zu diesem Miss­ge­schick kommen, sollten ge­nü­gend Trans­pa­rente vor­handen sein, um et­waige Lü­cken schließen zu können.

Durch­füh­rung

Eine Men­schen­kette, be­son­ders auf einer ki­lo­me­ter­langen Strecke sollte gut ge­plant werden. Ei­ner­seits un­ter­liegt sie dem Ver­samm­lungs­ge­setz und muss wie jede Kund­ge­bung oder De­mons­tra­tion an­ge­meldet werden, an­de­rer­seits muss ko­or­di­niert werden, wo die Teil­nehmer sich ein­reihen. Nor­ma­ler­weise werden dafür Sam­mel­punkte be­kannt ge­geben, von denen aus sich die Teil­nehmer ver­teilen. Je länger die Strecke, desto mehr Sam­mel­punkte werden be­nö­tigt. Es kann dann ver­sucht werden, Men­schen aus be­stimmten Stadt­teilen oder Wohn­orten be­stimmten Sam­mel­punkten zu­zu­ordnen, um eine gleich­mä­ßige Ver­tei­lung zu er­rei­chen. Wenn alle an ihren Plätzen sind, sollte – am besten zu einer vorher be­kannt ge­ge­benen Uhr­zeit – die Kette ge­schlossen werden, indem sich die Teil­nehmer die Hände rei­chen. Sollte es sich um eine Licht­er­kette han­deln reicht es auch aus, wenn bei jedem Teil­nehmer zu diesem Zeit­punkt eine Kerze (oder ein an­deres Licht) brennt.

Bei­spiele er­folg­rei­cher Menschenketten

Am 24. April 2010 kamen auf In­itia­tive von Cam­pact und einer Reihe um­welt­po­li­ti­scher In­itia­tiven 120 000 Teil­nehmer zu einer Men­schen­kette zwi­schen den AKWs Krümmel und Bruns­büttel (120 Kilometer)

Menschen(lichter)kette(kreis) um das von der Schlie­ßung be­drohte Nokia-Werk in Bochum

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5 Antworten auf M wie Menschenkette

  1. landbewohner sagt:

    toll diese men­schen­ketten. licht­lein, kind­lein und wenns klappt, werden all die bösen akws ab­ge­stellt und alle ar­beits­losen dürfen bei nokia für 20€ die stunde arbeiten.

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    • NannyOgg07 sagt:

      Viel­leicht, viel­leicht auch nicht, aber wenn keiner was un­ter­nimmt wirds auch nicht besser, oder? Was haben wir denn zu ver­lieren wenn wir uns mal einen Tag mit ein­reihen? Und was könnten wir im besten Fall gewinnen?

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  2. admin sagt:

    Ich ver­stehe die Kritik im ersten Kom­mentar haupt­säch­lich als eine Kritik an der Ak­ti­ons­form, die ja eher harmlos ist und den An­schein er­weckt, als können mit ihr keine Ver­än­de­rungen er­kämpft werden. Richtig ist aber, dass solche Ak­ti­ons­formen zwar nicht jeden an­spre­chen, je­doch durchaus dafür ge­eignet sein können Kritik in die Öffent­lich­keit zu tragen. Und das ist schon viel, denn was ist in dieser Ge­sell­schaft mäch­tiger als der öffent­liche Dis­kurs?
    Die Nied­rig­schwel­lig­keit der Ak­ti­ons­form muss im Übrigen kein An­zei­chen für eine Ober­fläch­lich­keit der po­li­ti­schen Ziel­rich­tung sein und des­wegen werden wir hier in un­serer Aktions-A-Z Ka­te­gorie wei­terhin de ver­schie­densten Ak­tionen zu­sam­men­tragen, die alle eines ver­bindet: sie er­mög­li­chen Kritik an den herr­schenden Zu­ständen. Wer uns dabei helfen will, hier ein um­fang­rei­ches Le­xikon zu er­stellen, der ist mit seinen Ideen herz­lich eingeladen.

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    • landbewohner sagt:

      ein­la­dung ist angenommen.

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    • NannyOgg07 sagt:

      So hab ich es zwar auch auf­ge­fasst, aber meine Aus­gangs­lage ist halt auch eine an­dere: ich kann ent­weder drei kleine Kinder mit zum Pro­test nehmen oder zu Hause bleiben. Da geh ich lieber nicht Neo­nazis in Dresden blo­ckieren auch wenn das si­cher wir­kungs­voll ist, weil ich es un­ver­at­nwort­lich fände meine Kinder der Ge­fahr eines ge­walt­samen Zu­sam­men­stoßes mit den Glatzen oder der Po­lizei aus­zu­setzen. Wenn har­mo­sere Formen des Pro­testes sinnlos sind würde das für­mich und Mil­lionen an­dere Fa­mi­lien be­deuten dass wir ei­gent­lich keine Mög­lich­keiten mehr haben zwi­schen den Wahlen an der De­mo­kra­ti­schen Mei­nungs­bil­dung mit­zu­wirken. Somit war dieser Kom­mentar eben auch ein ent­mu­ti­gender, und das fand ich sehr un­pas­send in einer Lage wie der un­seren wo man jeden Mut und jede Ent­schlos­sen­heit braucht, daher meine Antwort.

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