G wie Gu­er­rilla Gardening

Gu­er­rilla Gar­de­ning“ ist so etwas wie die städ­ti­sche Ent­wick­lungs­hilfe für die Natur und eine op­ti­sche Ver­schö­ne­rung des öffent­li­chen Raums heu­tiger Be­ton­städte, so­zu­sagen durch sub­ver­sives An­pflanzen. Guerrilla-GärtnerInnen schlei­chen des Nachts durch den ur­banen Dschungel, be­waffnet mit Blumen, Kom­post sowie Gieß­kannen und ma­chen aus Brach­flä­chen, Teer­wüsten und Rui­n­en­grund­stü­cken wieder blü­hende Landschaften.

Das Frühlings-Spezial von bleib-passiv.de: Höchste Zeit das be­to­nierte Stadt­bild mit bunten Blumen zu be­rei­chern oder mit Bäum­chen die Luft zu ver­bes­sern. Übe­rall gibt es kleine Stellen, wo sich ein biss­chen Erde durch das Pflaster kämpft. Wenn sie dann noch ein Son­nen­strahl trifft, sind das ideale Plätze für wilde Gärten.

Gu­er­rilla Gar­de­ning gibt es in ver­schie­denen Fa­cetten: Ei­nige Wild-Gärtner wollen ein­fach das Stadt­bild ver­schö­nern, an­dere möchten in der Be­ton­flut ein Stück Le­bens­raum zu­rück­er­obern und säen Reis oder Ge­treide, wieder an­dere geben damit einem po­li­ti­schen Pro­test Aus­druck und pflanzen Blumen in Form des Frie­dens­zei­chens, Dor­nen­bü­sche auf Golf­plätze oder na­tür­liche Pflanzen auf Gentechnik-Versuchsfeldern. Es ist zwar nicht ganz legal (man braucht eine Ge­neh­mi­gung, wenn man auf öffent­li­chen Plätzen etwas an­pflanzen will), aber of­fenbar lä­chelt die Po­lizei meist nur über die nächt­liche Gärt­nerei. Ob ge­zielt oder durch Wind­be­stäu­bung wirk­lich wild: Hier kommt eine kleine An­lei­tung. Vor­schriften gibt es na­tür­lich keine (Ihr seid Gu­er­rillas – Ihr macht die Re­geln selbst!), aber aus Er­fah­rung wird man klug.

Es gibt mitt­ler­weile viele In­itia­tiven, die für das Recht auf Selbst­ver­sor­gung mit ge­sunden Nah­rungs­mit­teln kämpfen und städ­ti­sche Flä­chen für die Ein­rich­tung von Ge­mein­schafts­gärten for­dern. Solche Gruppen findet man bei urbanacker.net unter „Gärten“.

An­de­rer­seits the­ma­ti­sieren po­li­ti­sche und kul­tu­relle Ak­ti­vis­tInnen die zu­neh­mende Pri­va­ti­sie­rung öffent­li­cher Flä­chen sowie das ge­ne­relle Fehlen bzw. die Ver­nich­tung der Natur in Städten. In heim­li­chen oder di­rekten Ak­tionen werden des­halb öffent­liche Flä­chen be­setzt und um­ge­staltet.[1] Hier nun ein paar Tipps.

1. Finde ein ver­ges­senes Stück­chen Erde!

Ob dort mal ein Baum am We­ges­rand ge­standen hat oder ob es sich um ein Schlag­loch han­delt, es kann ver­schö­nert werden. Am besten liegt es in der Nähe des ei­genen Wohn­ortes, so kann man, falls nötig, schnell zum Gießen.

2. Suche Gärtnergehilfen!

Ent­weder Freunde helfen beim Um­graben und Pflanzen oder man spricht Men­schen in der Nähe der zu ver­schö­nernden Stelle an. Die können dann auch später noch ein Auge darauf haben. Oder man sucht im Forum von guerrillagardening.org.

3. Be­sorge Dir Material!

Guerrilla-Garten

Foto: ubrayj02 (via Flickr)

Je güns­tiger, desto besser. Die übli­chen Bau­märkte un­ter­stützen viel­leicht die Ak­tion durch Ra­batt. Am besten sind aber be­freun­dete Gärtner, die ein paar Pflanzen übrig haben. Au­ßerdem braucht man noch Blu­men­erde, Spaten und Schippen, Krallen, eine Gieß­kanne, na­tür­li­chen Dünger und or­dent­li­ches Schuh­werk. Übri­gens: Feste Schuhe mit einer Plas­te­tüte drum­herum lassen, falls nötig, die Spuren schnell ver­wi­schen. Auch muss alles wieder mit­ge­nommen werden. Also Ta­schen und sons­tige Trans­port­mittel einplanen.

4. Triff die rich­tige Pflanzenwahl!

Man braucht etwas Ro­bustes, das sich gegen die na­tür­li­chen Feinde (Autos, Hunde, Pas­santen) wehren kann (zum Bei­spiel etwas mit di­cken festen Blät­tern oder kleine Sträu­cher: Efeu, Buxbaum, La­vendel, kleine Strauch­rosen etc.). Und nach Be­lieben nimmt man auch etwas, das Auf­merk­sam­keit er­regt, das bunt ist und viel­leicht noch schön duftet (zum Bei­spiel: Son­nen­blumen, Rin­gel­blumen, Licht­nelken etc.).

5. Wäs­sere regelmäßig!

Gu­er­rilla Gar­dener sollten ihre An­pflan­zungen mit Sorg­falt und re­gel­mäßig mit der Gieß­kanne aus­ge­rüstet pflegen.

6. Sag’s weiter!

Hänge Flyer und Pla­kate in der Nähe Deines Gärt­chens aus oder stelle ein Schild darin auf, dass dies ein Guerrilla-Garten ist. So werden Pas­santen darauf auf­merksam, kommen ins Ge­spräch und ins Nach­denken. Viel­leicht pflanzen sie ja dann selbst mal vor ihrer Tür.

An all­zeit be­lebten großen Straßen oder dort, wo nicht so­viel Zeit ist fürs Um­graben, Pflanzen, Düngen und Gießen, müssen Über­ra­schungs­gärtner ans Werk. Dafür kann man so ge­nannte Saat­bomben her­stellen, die man vom Fahrrad aus streuen oder im Vor­bei­gehen fallen lassen kann. Sie be­stehen grund­sätz­lich aus Samen und Erde, so dass man sie meist schon zu­hause her­stellen kann. Sechs ver­schie­dene Va­ri­anten und da­zu­ge­hö­rige Vor– und Nach­teile sind hier auf­ge­listet.

Zum Wei­ter­stö­bern hier das Ma­ni­fest des Lon­do­ners Ri­chard Reyn­olds, dem Pio­nier der Guerrilla-Gardening-Bewegung, ein Ar­tikel von art-magazin.de über Gu­er­rilla Gar­de­ning, eine An­lei­tung zum Sa­men­bomben sel­ber­ma­chen (engl.) und ein Video mit dem Ri­chard Reyn­olds in Aktion.



[1] Vgl. Marc Amann (Hg.): go.stop.act! Die Kunst des krea­tiven Star­ßen­pro­tests. Ge­schichten – Ak­tionen – Ideen. Trotzdem Ver­lags­ge­nos­sen­schaft, Grafenau/Frankfurt/Main, 2007

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2 Antworten auf G wie Gu­er­rilla Gardening

  1. NannyOgg 07 sagt:

    Nette Idee, ein biss­chen wie Ha­rold und Maude, nur daß Maude ver­suchte, ein Bäum­chen vor dem städ­ti­schen Smog zu retten :-) Fast schade, daß ich nur voll­kommen legal in meinem Garten pflanze…

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  2. Aber falls Dein Beet oder die Blu­men­wiese zu klein werden sollte, weißt Du ja jetzt, wohin mit der über­sprie­ßenden Flora. ; D

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