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Podiumsdiskussion

Pas­sive Teil­nahme (Foto: Felix Syrovatka)

Wie lassen sich On­line– und Offline-Aktivismus wirksam mit­ein­ander ver­binden? Mit dieser Frage be­schäf­tigten wir uns heute zu­sammen mit Ve­tre­tern von Green­peace und Attac. Diese beiden Nichtregierungs-organisationen sind  bis­lang vor allem durch ihre Ak­tionen auf den Straßen (und Meeren) in Er­schei­nung getreten.

Jan Haase von der Greenpeace-Online-Plattform greenaction.de er­läu­terte die In­iti­al­zün­dung für die ver­stärkte Auf­merk­sam­keit seiner Mit­streiter für das Web 2.0. Diese be­stand in einer Greenwashing-Kampagne des En­er­gie­kon­zerns und Kli­ma­sün­ders Vat­ten­fall, der zu­nächst on­line, später auch auf den Plätzen Ham­burgs und Ber­lins Un­ter­schriften für die Klima-Rettung sam­melte und auf diese dreiste Weise ver­suchte, sein Image auf­zu­bes­sern. Green­peace schuf da­gegen eine In­ter­net­seite in ähn­li­chem De­sign, die über den Kon­zern und dessen Un­ter­schrif­ten­samm­lung auf­klärte und be­glei­tete auch die Offline-Aktionen mit vi­sua­li­sierter Kritik.

Das Portal greenaction.de bietet Ak­ti­visten und Or­ga­ni­sa­tionen in und au­ßer­halb von Green­peace die Mög­lich­keit, sich zu ver­netzen und neue Ak­tionen ins Leben zu rufen. Dabei wurden zu­nächst, vor allem bis dato wenig ak­tive Umwelt-Bewegte an­ge­spro­chen, sagte Haase. Erst nach ei­niger Start­zeit ent­deckten auch die alt­ein­ge­ses­senen und zu­nächst kri­ti­schen Ak­ti­visten die Platt­form für sich.

Auch Attac nutzt das Web, ins­be­son­dere um auf sich und die be­vor­ste­henden Ak­tionen auf­merksam zu ma­chen. Claus Kitt­steiner von Attac Berlin plä­dierte dafür, „Syn­er­gien zu nutzen“ und ver­wies auf er­folg­reiche Bei­spiele von Un­ter­schrif­ten­samm­lungen, die so­wohl im Netz als auch auf der Straße Zu­spruch fanden. Dass die ver­schie­denen Ak­ti­ons­formen mit­ein­ander ver­netzt werden müssen, wurde im An­schluss in einer aus­führ­li­chen und en­ga­giert ge­führten Dis­kus­sion wie­der­holt ge­for­dert. Ein Gast er­in­nerte an die Kam­pagne von US-Präsident Ba­rack Obama, die im Netz ihren Aus­gang nahm und in den Wahl­ka­binen ihr er­folg­rei­ches Ende fand, aber auch an Ak­tionen wie Flashmobs oder Car­rot­mobs, bei denen, ko­or­di­niert durch das In­ternet, spon­tane Mas­sen­zu­sam­men­künfte or­ga­ni­siert und Ak­tionen durch­ge­führt werden. Um er­folg­reich im Netz un­ter­wegs zu sein, ist der Auf­tritt je­doch ebenso ent­schei­dend wie der In­halt. So wies ein Teil­nehmer aus dem Pu­blikum darauf hin: „Das Phä­nomen lang­wei­liger In­fo­stände in Fuß­gän­ger­zonen gibt es heute ebenso im In­ternet.“ Ein an­derer er­gänzte: „Er­folg­ver­spre­chende Kam­pa­gnen be­werben nicht nur alt­her­ge­brachte Ak­ti­ons­formen auf neuen Ka­nälen, son­dern müssen auch neue Formen er­schaffen.“ Er­in­nert sei zum Bei­spiel an das vir­tu­elle „Sit-in“ bei der Luft­hansa, bei dem tau­sende In­ter­net­nutzer die Web­site des Un­ter­neh­mens lahm­legten, um gegen die Ab­schie­bung von Flücht­lingen zu pro­tes­tieren und damit dem Un­ter­nehmen einen großen wirt­schaft­li­chen Schaden zufügten.

Einig waren sich die Teil­neh­menden bei dem Ziel, mit­tels des In­ter­nets eine von an­deren Me­dien un­ab­hän­gige Ge­gen­öf­fent­lich­keit zu schaffen, die das En­ga­ge­ment Ein­zelner sichtbar macht und die Fi­xiert­heit der Stra­ßen­pro­teste auf we­nige Groß­städte über­winden kann. Es schafft die Mög­lich­keit sich zu be­tei­ligen und nicht darauf zu warten, die Re­vo­lu­tion eines Tages im Fern­sehen zu sehen. In diesem Sinne ver­wies der Mo­de­rator mit seinem Schluss­wort auf das Zitat des Re­gis­seurs von „Cul­ture Jamming“: „The Re­vo­lu­tion will not be te­le­vised, but maybe it will be twittered.“

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